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"Paul Celan und der chinesische Engel" von Yoko Tawada

Buchcover: "Paul Celan und der chinesische Engel" von Yoko Tawada

Buch der Woche

"Paul Celan und der chinesische Engel" von Yoko Tawada

Vielen gelten die Gedichte Paul Celans als rätselhafte Konstrukte. Dass sie auch ganz anders, ja geradezu therapeutisch wirken können, beweist ein neuer Roman von Yoko Tawada, der auch die Geschichte eines fruchtbaren Austausches zwischen westlicher und fernöstlicher Kultur erzählt.

"Zum Frühstück aß er das Wort Brot". Yoko Tawada erzählt in "Paul Celan und der chinesische Engel" Verwandlungsgeschichten. Mal wird Sprache wortwörtlich genommen, mal ist sie mystisch, mal sind die Bilder dunkel, dann wieder hoffnungsvoll.

Der Celan-Forscher Patrick ist in einer Lebenskrise, da erschließen sich ihm neue Wahrnehmungsmöglichkeiten der Gedichte Paul Celans. In einem Café begegnet er dem mysteriös "transtibetanisch" aussehenden Chinesen Fu, dessen Großvater ihm einen Celan-Nachlass vermacht hat. Durch Fu gewinnt Patrick völlig neue Erkenntnisse über Paul Celan. Celans Gedicht "Fadensonnen", wo der Dichter postuliert: "Es sind noch Lieder zu singen, jenseits der Menschen", wird ihm zur Therapie. Und Celans Büchnerpreisrede "Der Meridian" zur ungewohnten Erfahrung eigener Körperlichkeit.

In sich verschränkenden Sprach- und Traumbildern kommt in dieser vorzüglichen Erzählung nicht nur der Celan-Forscher Patrick, sondern auch der Leser der Dichtersprache Celans sehr nah.

Eine Rezension von Terry Albrecht

Literaturangaben:
Yoko Tawada: Paul Celan und der chinesische Engel
Konkursbuch Verlag, 144 Seiten, 12,90 Euro

Stand: 13.11.2020, 13:15