"Oh William!" von Elizabeth Strout

Buchcover: "Oh William!" von Elizabeth Strout

Buch der Woche

"Oh William!" von Elizabeth Strout

Die amerikanische Autorin gewann vor ein paar Jahren für ihr Buch "Mit Blick aufs Meer" den Pulitzerpreis. Ihr neues Buch hat sie ihrem Mann gewidmet. Und "all jenen, die es vielleicht gebrauchen können." Ihr Mann heißt übrigens Jim, nicht William.

Lucy und William leben an der Ostküste der USA, waren 20 Jahre verheiratet, haben sich getrennt, sind aber immer gut Freund miteinander geblieben, obwohl sie längst mit anderen verheiratet sind. Der Roman wechselt beständig die Schauplätze, die Zeitebenen, die Personen.

All jene vermeintlich losen Enden hängen zusammen, werden im Laufe des Romans verwoben zu einer Familien-Liebes-Lebensgeschichte. Mit all ihren verpassten Chancen, den nicht gesagten Sätzen, den unerfüllten Träumen. Die Autorin treibt einem beim Lesen sanft aber unermüdlich nach vorn, baut geschickt ein paar Cliffhanger ein, will von einem einschneidenden Ereignis erzählen, "möchte aber erst noch etwas vorausschicken". Und schon ist sie ganz woanders.

Elisabeth Strout erzählt fast schon lakonisch von den großen und kleinen Dramen, die man Leben nennt. Nur ab und zu entschlüpft ihr beim Erzählen mit überraschender Herzenswärme ein tiefer Seufzer: "Oh William!"

Eine Rezension von Christine Westermann

Literaturangaben:
Elizabeth Strout: Oh, William!
Aus dem amerikanischen Englisch von Sabine Roth.
Luchterhand Verlag, 2021.
222 Seiten, 20 Euro.

Stand: 26.11.2021, 10:50