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"Ich bin ein Schicksal" von Rachel Kushner

Buchcover: "Ich bin ein Schicksal" von Rachel Kushner

Buch der Woche

"Ich bin ein Schicksal" von Rachel Kushner

Die junge Romy Hall mordet im Affekt und wird zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt. Wie erträgt man die Gewissheit, keine echte Chance auf ein Leben in Freiheit zu haben und für immer von dem Menschen getrennt zu sein, den man liebt?

Die nächtliche Fahrt im Häftlingsbus zur Strafanstalt ist eine Reise in schwarze Hoffnungslosigkeit. Bei der Ankunft wird eine Frau tot aus dem Transporter geborgen, eine hochschwangere 15-Jährige bekommt im kalten Aufnahmebereich des Gefängnisses ihr Baby, die traurigste Geburt an einem menschenfeindlichen Ort. Hier soll Romy Hall den Rest ihres Lebens verbringen, dessen erster Teil schon so daneben war: schwache familiäre Bindung, früher Drogenkonsum, sie schlägt sich als Stripperin durch, bekommt ein Kind, wird von einem Mann bedrängt, den sie erschlägt. Vor Gericht hat sie keine Chance, weil ihr Pflichtverteidiger eine Niete ist. Witz und Wachheit einiger ihrer Mitgefangenen machen Romy Halls Knastleben immer wieder erträglich, unerträglich bleibt der Gedanke an ihren kleinen Sohn Jackson, den sie zurücklassen musste.

Rachel Kushner weiß, wovon sie schreibt. Wie Romy Hall stammt sie aus ärmlichen Verhältnissen, sie kennt Leute aus ihrem alten Umfeld, die im Knast gelandet sind; seit Jahren leistet sie ehrenamtliche Arbeit in einem Gefängnis.

Ihr Roman, traurig, erhellend und unterhaltsam zugleich, ist fern aller Sensationslust oder Rührseligkeit und aufgeladen mit einer Energie, die vermutlich dem Maß an Selbstbehauptungswillen entspricht, das nötig ist, um als lebenslänglich einsitzende Strafgefangene nicht den Verstand zu verlieren.

Eine Rezension von Ferdinand Quante

Literaturangaben:
Rachel Kushner: Ich bin ein Schicksal
Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell
Rowohlt Verlag, 400 Seiten, 24 Euro

Stand: 05.07.2019, 13:04