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"Home Girl" von Alex Wheatle

Buchcover:  "Home Girl" von Alex Wheatle

Buch der Woche

"Home Girl" von Alex Wheatle

Naomi wünscht sich nichts sehnlicher als ein Zuhause, hat die Hoffnung darauf aber verloren. Ein packender Roman über ein Mädchen im britischen Fürsorgesystem.

Naomi ist 14, ihre Mutter hat sich umgebracht, ihr Vater ist Alkoholiker. Im Heim hat sie es nicht ausgehalten, und so tingelt sie von Pflegefamilie zu Pflegefamilie. Naomi ist fordernd, laut, und wenn nicht sie selbst die Pflegefamilie ablehnt, so hetzen ihre Freundinnen Kim und Nat sie auf.

Als Naomi übergangsweise bei der Familie Golding unterkommt, fühlt sich auf einmal alles ganz anders an. Aber die Goldings sind schwarz, da darf ein weißes Mädchen aus Sicht des Fürsorgesystems keinesfalls bleiben – sonst drohen "Identitätsprobleme".

Der Brite Alex Wheatle, der selbst im Kinderheim aufgewachsen ist, verleiht der 14-jährigen Naomi eine glaubhafte Stimme. Er erzählt von ihrer Wut und Verzweiflung, von ihrer Überforderung und auch von der Naivität eines Mädchens, das viel zu früh erwachsen werden musste.

Ein überzeugender Roman für Jugendliche und Erwachsene, der erschreckend anschaulich macht: Wer einmal in ein System aus Diskriminierung und Gewalt geraten ist, stößt immer und überall wieder auf dieselben zerstörerischen Mechanismen.

Eine Rezension von Dina Netz

Literaturangaben:
Alex Wheatle: Home Girl
Aus dem Englischen von Conny Lösch
Verlag Antje Kunstmann, 280 Seiten, 18 Euro

Stand: 05.06.2020, 11:31