"Große Fuge" Gedichte von Volker Braun

Buchcover: "Große Fuge" von Volker Braun

Buch der Woche

"Große Fuge" Gedichte von Volker Braun

Von Wachträumen und dem Schmerzgedächtnis. Volker Brauns neue Gedichte sind ganz heutig und zugleich ein Dialog der Lebenden mit den Toten.

Das Cover des neuen Gedichtbandes von Volker Braun zeigt ein grünes Gesicht als Scherenschnitt. Es lässt einen Schmerz erahnen, der den 20 Gedichten in "Große Fuge" eingeschrieben zu sein scheint.

In Coronazeiten schreibt Volker Braun vom Kulturverfall und der schmerzhaften Erfahrung der (Körper-) Kontaktlosigkeit. Im Eingangsgedicht "Nach unserer Zeit" treibt die Menschheit sinnbildlich auf einem Geisterschiff. Das Schlussgedicht "Geisterstunde" ist ein Dialog der lebenden mit den toten Dichtern. Einer der Lebenden, der 82jährige Volker Braun: "Wir gerade noch atmend haben sie alle zu Grabe getragen." In "K wie Kertész" befindet sich der Autor abwechselnd im Monolog über den ungarischen Dichter oder im Gespräch mit dem Toten.

Und doch, viele der Gedichte sind hoffnungsvoll, denn trotz Rückspiegel ist Volker Brauns Blick nach vorn gerichtet. Und, auch der Kapitalismuskritiker fehlt in diesen Miniaturen nicht, der den Coronazeiten auch etwas Positives abgewinnen kann: "Straßen von Krätze der Kunden befreit."

Eine Rezension von Terry Albrecht

Literaturangaben:
Volker Braun: Große Fuge
Gedichte, Suhrkamp Verlag, 54 Seiten, 16 Euro

Stand: 09.07.2021, 10:20