"Frankissstein" von Jeanette Winterson

Buchcover: "Frankissstein" von Jeanette Winterson

Buch der Woche

"Frankissstein" von Jeanette Winterson

Frankenstein ist wieder da. Er heißt jetzt nur ein wenig anders und werkelt wacker an künstlicher Intelligenz und dem ewigen Leben. Große Fragen tauchen auf und mitreißende Dialoge. Untertitel des Ganzen: Eine Liebesgeschichte.

Victor Stein ist der verrückte Professor in love. Eigentlich gibt er den Propheten der Körperlosigkeit, ein Wissenschaftler, der das individuelle Bewusstsein scannen und auf Festplatten zeitlich unbegrenzt existieren lassen möchte, und ausgerechnet er stürzt sich in eine hitzige Liebesaffäre.

Wäre ein Leben ohne Leib vielleicht doch nicht so gut? Verfällt ein aus dem Körpergefängnis befreiter Geist der unendlichen Langeweile? Freiheit, Glück, Sex und Tod sind die großen Themen dieses beschwingten Romans, angetrieben von Dialogen, die so dynamisch sind wie die Zukunftsvisionen Victor Steins.

Aber das ist nur die eine Hälfte der Geschichte, denn Mary Shelley selbst tritt in Erscheinung, als liebende Gattin des exzentrischen Poeten Percy Shelley, die sich als vierfache Mutter in jungen Jahren als Gebärmaschine und als Frau im England des frühen 19. Jahrhunderts als Mensch zweiter Klasse sah. Wäre ein Leben ohne Leib, ohne Fortpflanzung, ohne Tod nicht ein Leben in Freiheit?

"Frankissstein" ist eine rundum geglückte Hommage an Mary Shelley, und wer schweren Themen gerne leichtfüßig begegnet, wird diesen Roman lieben.

Eine Rezension von Ferdinand Quante

Literaturangaben:
Jeanette Winterson: Frankissstein. Eine Liebesgeschichte
Aus dem Englischen von Michaela Grabinger und Brigitte Walitzek
Kein & Aber, 400 Seiten, 24 Euro

Stand: 10.01.2020, 13:40