"Frankenstein in Bagdad" von Ahmed Saadawi

Buchcover: "Frankenstein in Bagdad" von Ahmed Saadawi

Buch der Woche

"Frankenstein in Bagdad" von Ahmed Saadawi

Erzählen, als wär´s ein Tanz auf dem Vulkan: In seinem brillanten und drastischen Roman "Frankenstein in Bagdad" lässt der Schriftsteller Ahmed Saadawi ein Höllenfeuer leuchten.

Frankenstein? In Bagdad? Ein merkwürdiges Monster geht um im krisengeschüttelten Bagdad der Zeit nach dem Sturz Saddam Husseins: Zusammengesetzt aus Körperteilen der Opfer von Anschlägen, übt dieses Wesen, das nur "Soundso" genannt wird, Vergeltung an den Verantwortlichen "seiner" Tode. Man könnte es auch einen Serienkiller nennen. Aber das würde zu kurz greifen. Denn zugleich sucht die Seele eines körperlich pulverisierten Wachmanns, die in der Kreatur Zuflucht gefunden und sie dadurch erst zum Leben erweckt hat, nach einem Weg, um endlich ewige Ruhe zu finden. Kann das gelingen? In so einem Chaos, wie es diese Gesellschaft darstellt? Die Chancen stehen schlecht, vermutlich bleibt am Ende nur das Exil…

"Frankenstein in Bagdad" ist ein Hybrid aus Satire, Gesellschaftsroman, Thriller, phantastischer Geschichte; Ahmed Saadawi konterkariert den Wahnsinn des Alltags, die Unüberschaubarkeit der Machtverhältnisse, das Fehlen jeglicher nachvollziehbarer Ordnung schon in der Struktur seiner Geschichte. Seiner Geschichten, müsse man sagen, denn "Frankenstein in Bagdad" besitzt eine Vielzahl an Handlungsebenen, die im Prinzip nur durch eines verbunden sind: Frankenstein – das Handeln des "Monsters" also, das man als Symbol sehen kann für die Verwerfungen einer in fast jeder Hinsicht extrem beschädigten, einer auch mental zerbombten Gesellschaft zwischen (sehr viel) Wahn und (wenig) Sinn.

Ein extrem bedrückender Roman – der auf merkwürdige Weise doch zugleich auch ausgesprochen unterhaltsam ist, eben ein Tanz auf dem Vulkan. Ahmed Saadawi, geboren 1973, Filmemacher, Dichter und Schriftsteller, gilt als einer der interessantesten jüngeren Autoren des arabischen Sprachraums; für "Frankenstein in Bagdad" wurde er 2014 mit dem International Prize for Arabic Fiction ausgezeichnet.

Eine Rezension von Ulrich Noller

Literaturangaben:
Ahmed Saadawi: Frankenstein in Bagdad
Aus dem Arabischen mit einem Nachwort von Hartmut Fähndrich
Buchverlag Assoziation A, 296 Seiten, 22 Euro

Stand: 21.02.2020, 13:50