"Fast ein Vater" von Alejandro Zambra

Buchcover: Alejandro Zambra - Fast ein Vater

Buch der Woche

"Fast ein Vater" von Alejandro Zambra

Gonzalo will mit der schönen Carla glücklich werden, will ihrem Sohn ein guter Stiefvater sein und obendrein mit Gedichten groß rauskommen. Ein luftiger Roman über chilenische Lyrik und Lyriker und ein vielfaches Scheitern.

Ihre frühe Liebe ist wacklig. Nach einer Reihe jugendlicher Bettstunden macht Carla mit Gonzalo Schluss, und als sie sich Jahre später erneut begegnen und gleich wieder Sex haben, ist Carla Mutter und Gonzalo auf der Stelle bereit, für den kleinen Vicente mit zu sorgen.

Sein stiefväterlicher Eifer ist allerdings nicht so groß wie sein Ehrgeiz, ein berühmter Lyriker zu werden. Im Zentrum dieser Dreiecksgeschichte über schwindende Zuneigung und nachhaltige Enttäuschungen steht die Lyrik, die in Chile den höchsten literarischen Stellenwert genießt.

Zambra, selbst Autor von Gedichten, entwickelt in seinem Roman eine durchaus humoristische Phänomenologie der heimischen Lyrik und auch der Lyriker seines Landes, wie überhaupt die ganze Geschichte trotz der oft düsteren Gefühlslagen ihrer Protagonisten alles andere als schwerblütig ist. Das hat auch damit zu tun, dass Zambra auf tiefgreifende Innenschau weitgehend verzichtet und der Roman seinen Schwerpunkt im Köperlichen findet.Sex ist wichtig und kommt hier so umstandslos vor wie das Einnehmen einer Mahlzeit.

Zambras Direktheit, sein Sinn für Alltag und Banalität, der nicht weniger ausgeprägt ist als sein Sachverstand für Lyrik, machen seinen Roman so lesenwert und ja auch leicht lesbar, was angesichts der Tatsache, dass Zambra eine komplizierte Beziehunsgeschichte erzählt und dabei zugleich eine Reise durch die Welt der chilenischen Lyrik unternimmt, durchaus erstaunlich ist.

Eine Rezension von Ferdinand Quante

Literaturangaben:
Alejandro Zambra: Fast ein Vater
Aus dem Spanischen von Susanne Lange
Suhrkamp Verlag, 457 Seiten, 24 Euro

Stand: 23.07.2021, 12:44