"Ein englischer Winter" von Thomas Reverdy

Buchcover: "Ein englischer Winter" von Thomas Reverdy

Buch der Woche

"Ein englischer Winter" von Thomas Reverdy

England im Winter 1978/79. Das Land erlebt seine schlimmste soziale und wirtschaftliche Krise. London erstickt im eigenen Müll. In Thomas Reverdys packendem Roman "Ein englischer Winter" herrscht Untergangsstimmung, doch die junge Candice versucht ihre Träume zu leben.

Arbeiterstreik, das Empire bricht auseinander, die Labour-Regierung von James Callaghan ist am Ende und am Horizont taucht seine konservative Nachfolgerin Margaret Thatcher auf, die "Eiserne Lady".

Im Mittelpunkt der Geschichte aus dem Epizentrum des Niedergangs steht Candice, eine Fahrradkurierin und junge Schauspielerin. Der Soundtrack ihrer Zeit ist der Punk. Candice stammt aus prekären Verhältnissen, der arbeitslose Vater ein Trinker und Schläger. Die selbstbewusste Candice träumt von einer besseren, emanzipierteren Welt. Auf der Bühne spielt sie die Titelrolle in William Shakespeares Tragödie "Richard III".

Im Stück geht es um die gnadenlose Durchsetzung von Macht. Candice erkennt darin Parallelen zu der Gesellschaft, in der sie lebt und trifft bald auf eine Frau, die wie kaum eine zweite im Nachkriegsengland den Machtinstinkt verkörpert: Margaret Thatcher. Noch ist Thatcher nicht Premierministerin, doch die Krämerstochter nimmt genau an dem Theater, an dem Candice den Richard gibt, Sprechunterricht, um ihren Akzent abzulegen.

Im Roman "Ein englischer Winter" des französischen Schriftstellers Thomas Reverdy treffen zwei Frauen aus zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aufeinander.

Eine Rezension von Terry Albrecht

Literaturangaben:
Thomas Reverdy: Ein englischer Winter
Aus dem Französischen von Brigitte Große
Berlin Verlag, 208 Seiten, 22 Euro

Stand: 15.01.2021, 13:11