"Der Tod in ihren Händen" von Otessa Moshfegh

Buch der Woche

"Der Tod in ihren Händen" von Otessa Moshfegh

Eine vereinsamte Frau erschafft sich in ihrer Not eine fantastische Gefährtin. Eine malstromartige, abgrundtief traurige Geschichte von der vergeblichen Suche nach Zuwendung und Trost.

Und so was soll man lesen? Aber ja, und hat man mit dem Lesen erst einmal angefangen, wird’s schwer, vorzeitig aufzuhören. Die Geschichte nimmt einen sofort an den Haken. Eine Frau findet im Wald einen Zettel mit einer verstörenden Botschaft: "Sie hieß Magda. Niemand wird je erfahren, wer sie ermordet hat. Ich war es nicht. Hier ist ihre Leiche."

Da ist einiges zu klären, und genau das geschieht auch, nur anders als erwartet, denn die nachfolgend betriebene detektivische Suche führt geradewegs in Geist und Seele der Zettelfinderin. Von der düsteren Botschaft wie verhext, erweckt die 72-jährige Frau die angeblich ermordete Magda in ihrer Fantasie zum Leben, halluziniert ihr Aussehen, ihren Lebenslauf, macht sie sich zur inneren Gefährtin und Wiedergängerin ihrer selbst.

In einem langen monomanischen Selbstgespräch erzählt sie Magdas und ihre eigene Geschichte, die unter dem Druck steter Einsamkeit im Wahn zu enden droht. Das ist tieftraurig, aber lesen will man’s doch, weil der beklemmende Wort- und Gedankenstrudel exzellente Sogkraft entwickelt.

Ist es nicht seltsam, dass eindringlich gut beschriebene Seelenqualen besonders niederziehend und aufgrund literarischer Überzeugungskraft zugleich ein wenig tröstlich sind? Wer diese Merkwürdigkeit noch nicht erlebt hat, lese diesen Roman.

Eine Rezension von Ferdinand Quante

Literaturangaben:
Ottessa Moshfegh: Der Tod in ihren Händen
Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger
Hanser Berlin, 256 Seiten, 22 Euro

Stand: 19.03.2021, 13:46