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"Das Land der Anderen" von Leila Slimani

Buchcover: Leïla Slimani - Das Land der Anderen

Buch der Woche

"Das Land der Anderen" von Leila Slimani

1947 folgt die Französin Mathilde ihrem Mann Amine nach Marokko. Der Traum von einem exotischen Leben entpuppt sich bald als Alptraum aus Armut und Gewalt.

Der Marokkaner Amine hat während des Zweiten Weltkriegs für Frankreich gekämpft. Gegen Ende des Krieges hat er sich in die Elsässerin Mathilde verliebt und sie geheiratet. Sie folgt ihm nach Marokko, auf ein Landgut, das Amine von seinem Vater geerbt hat. Während er seine Tage damit verbringt, dem wenig fruchtbaren Land eine kleine Ernte abzuringen, ist Mathilde enttäuscht vom Leben in der ländlichen Abgeschiedenheit, der Armut und der Einsamkeit.

Amine und Mathilde bekommen zwei Kinder, doch ihre unterschiedlichen Vorstellungen und Träume entzweien sie. Leila Slimani erzählt in "Das Land der Anderen" von einer ungewöhnlichen Ehe, die viel mehr Konflikte mit sich bringt als nur die des Paares. Amine und Mathilde stehen zwischen allen Stühlen, weil sie nicht zur reichen französischen Oberschicht gehöhren. Die Marokkaner betrachten sie aber genau so als Außenseiterin, zumal Amine für Frankreich im Krieg war.

Leila Slimani erzählt spannend von einer Familie, die mit dem Erstarken der marokkanischen Nationalisten Anfang der 1950er-Jahre auch im Wortsinne zwischen die Fronten gerät. Und die doch eigentlich nur ihr kleines privates Glück sucht.

Eine Rezension von Dina Netz

Literaturangaben:
Leila Slimani: Das Land der Anderen
Aus dem Französischen von Amelie Thoma
Luchterhand Verlag, 384 Seiten 22 Euro

Stand: 04.06.2021, 13:30