"Das Dämmern der Welt" von Werner Herzog

Buchcover: "Das Dämmern der Welt" von Werner Herzog

Buch der Woche

"Das Dämmern der Welt" von Werner Herzog

Der große Filmemacher Werner Herzog erzählt in seinem dritten Buch die Geschichte des japanischen Soldaten Hiroo Onada, dessen Zweiter Weltkrieg erst am 9. März 1974 endete.

Ende 1944 erhält Leutnant Hiroo Onoda den Befehl die philippinische Insel Lubang um jeden Preis für die japanische Armee zu halten. Lubang ist zum großen Teil von Dschungel bedeckt und das Klima ist tropisch. Zusammen mit drei untergebenen Soldaten beginnt er seinen Guerilla-Kampf.

Jahrzehntelang versteckt er sich im Urwald und kämpft auf "seiner Insel" gegen jeden Feind, bzw. gegen jeden, den er dafür hält. Am Ende sogar allein. Denn er überlebt als einziger alle 111 Hinterhalte der philippinischen Armee.

Herzogs Faszinosum besteht nicht im militärischen, sondern in der Art und Weise, wie Onoda dieses extreme Leben auf der Urwaldinsel annimmt. Im stetigen Rhythmus von Regen- und Trockenzeit, in der ständigen Nahrungssuche und dem Kampf mit Moskitos und Blutegeln, aber immer in der festen Überzeugung etwas Sinnvolles zu tun, beginnt er irgendwann dieses Leben im Urwald zu lieben. Liebe heißt in diesem Fall: Etwas rückhaltlos annehmen, sich als Teil davon zu sehen. Als Teil dieser Insel, dieses Urwaldes, außerhalb von Zeit und Raum.

Zeitgleich mit dem Buch aus dem Hanser Verlag erscheint bei Tacheles die ungekürzte Autorenlesung. Die Art und Weise wie Herzog seinen eigenen Text präsentiert, klingt, als säße man nachts, im Dschungel, um ein Lagerfeuer herum und lauschte den Erzählungen einer sehr alten weisen Schildkröte.

Meine Empfehlung: Erst Lesen und dann hören, Denn beides erschließt unterschiedliche Erfahrungen.

Eine Rezension von Klaus Prangenberg

Literaturangaben:
Werner Herzog: Das Dämmern der Welt
Hanser Verlag, 2021
128 Seiten, 19 Euro

Hörbuchangaben:
Ungekürzte Autorenlesung
tacheles! bei Roof Music, 1 Mp3 CD
202 Minuten Laufzeit, 19 Euro

Stand: 20.08.2021, 13:41