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"Ciao" von Johanna Adorján

Buchcover: "Ciao" von Johanna Adorján

Buch der Woche

"Ciao" von Johanna Adorján

Könnte sein, dass dieses Buch auch als kleine Lebenshilfe taugt. Weil man bei der Lektüre den Genderwahnsinn mit mehr Gelassenheit erträgt. Das „Man“ kann man - je nachdem wie man sich gerade fühlt - mit einem "n" am Ende schreiben. Oder mit zweien.

Im Mittelpunkt des Romans steht Hans Benedek, Journalist bei einer angesehenen Zeitung in Berlin. Er ist 50 Jahre alt, erfolgreich, alles, was er schreibt, ist wahnsinnig wichtig. Weil er eben mittendrin ist und dazugehört. Davon ist er überzeugt. Aber genau dieses sichere Gefühl kommt ihm allmählich abhanden.

Die Welt um ihn herum hat sich verändert. Ist anders, jünger. Jung kennt er von den Praktikantinnen, mit denen er seine Frau Henriette regelmäßig betrügt. Die nimmt es gelassen, schlägt ihm vor, über Xandi Lochner zu schreiben, eine junge Feministin mit Riesenfangemeinde in den sozialen Medien. Feministin, in der alten Welt von Hans war das mal eine Haltung, in der jungen ist es ein Beruf. Hans trifft Xandi, 50 trifft auf 20 , das endet in einem großartigen Desaster.

Großartig, weil Johanna Adorjan ein unglaubliches Gespür für die Feinheiten der Sprache hat. Es gelingt ihr, das Absurde, das Aneinandervorbeireden der Generationen, jene aberwitzigen Diskussionen darüber, was man noch sagen darf und was schon auf dem Index steht, mit sanfter Leichtigkeit zu beschreiben. Amüsant und ohne Anstrengung.

Eine Rezension von Christine Westermann

Literaturangaben:
Johanna Adorján: Ciao.
Kiepenheuer und Witsch, 2021.
272 Seiten, 20 Euro.

Stand: 30.07.2021, 08:34