"Betrachtungen einer Barbarin" von Asal Dardan

Buchcover: "Betrachtungen einer Barbarin" von Asal Dardan

Buch der Woche

"Betrachtungen einer Barbarin" von Asal Dardan

Asal Dardan zögert, wo andere schnelle Bewertungen vornehmen. Sie nähert sich ihren Themen mit einer Behutsamkeit, die an Zärtlichkeit grenzt. Die Wirkung ihrer Texte ist dadurch umso radikaler.

Asal Dardan schreibt die eindringlichsten Sätze auf sozialen Medien. Wie jetzt gerade zum Jahrestag der rassistischen Mordserie in Hanau:

"Wer schützt wen, wer ist Gefährder und wer Gefährdeter, wer wird zum Opfer und doch als Bedrohung wahrgenommen, und wer kann selbst noch in seiner rassistischen Verblendung darauf vertrauen, dass er als Mensch gesehen und behandelt wird?"

Dabei ist ihre Forderung nicht, die Verblendeten ebenfalls zu entmenschlichen, sondern das Menschenrecht auf Menschlichkeit für alle!

Jetzt erscheint ihr langerwarteter Essayband. Es geht um die Wechselwirkungen zwischen Autobiographie und Weltgeschichte, zwischen Fremdbestimmung und Selbstdefinition und darum wie Menschen sich mit ihrer Liebe retten, auch wenn es nicht die romantische Liebe ist. Texte, die Türen öffnen, wo vorher Mauern waren.

Eine Rezension von Mithu Sanyal

Literaturangaben:
Asal Dardan: Betrachtungen einer Barbarin
Hoffmann und Campe, 192 Seiten, 22 Euro

Stand: 19.02.2021, 13:43