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Urs Zürcher über "Überwintern"

Urs Zürcher über "Überwintern"

Autor im Gespräch

Urs Zürcher über "Überwintern"

Dies ist Geschichte einer Radikalisierung zweier junger Männer, die angesichts des Zustands der Welt nicht wissen, was überwiegt: Ekel oder Langeweile.

Bis Jonas und Benjamin zum "Überwintern" in den Osten ziehen – Sinn und Sinnlosigkeit sehen sie im Krieg als höchste Form der Poesie vereint. Als Jonas verwildert und abgekämpft direkt aus dem Krieg in der Ostukraine in die Schweiz zurückkehrt, muss er der Mutter seines Freundes Benjamin den Tod ihres Sohnes mitteilen. Fulminanter Auftakt einer Geschichte von zwei ungleichen Freunden: Jonas, zornig, radikal und männlich trennt vieles vom bürgerlich intellektuellen Benjamin, dennoch entsteht über die Jahre eine Art Freundschaft, die im radikalen Entschluss, sich als Söldner zu verdingen, ihren Höhepunkt und zugleich ihr Ende findet.

In seinem dritten Roman erzählt Urs Zürcher die aktuelle Geschichte der zornigen jungen Männer episodenreich und voller Dynamik: Wut über die Welt der Krisen und Verwerfungen auf der einen, schwierige Familienkonstellationen und emotionale Verstrickungen im beschaulichen Basel auf der anderen Seite. In einem ausgeklügelten Kompositionsschema folgt man der heimlichen Hauptfigur Jonas in seiner wilden eigenwilligen Männlichkeit bis nach Eisenach, wo er zuerst ein "Nazi-Schwein" verprügelt, sich dessen radikaler Landmiliz-Truppe aber bald anschließt. Nur seine Gedichte behält er lieber für sich.

Wer über etwas schematische Charaktere hinweglesen kann wird mit einem spannenden Einblick in den Explosionsherd einer Jugend belohnt, die verzweifelt nach einem Ort zum "Überwintern" sucht.

Eine Rezension von Bettina Hesse

Urs Zürcher über "Überwintern"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 11.07.2020 10:19 Min. Verfügbar bis 10.07.2021 WDR 5

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Literaturangaben:
Urs Zürcher: Überwintern
Bilger Verlag, 431 Seiten, 36 CHF

Stand: 10.07.2020, 13:09