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Thilo Krause über "Elbwärts"

Thilo Krause über "Elbwärts"

Autor im Gespräch

Thilo Krause über "Elbwärts"

Bei der Rückkehr ins Dorf seiner Kindheit in Sachsen sieht sich ein junger Vater mit Fremdheit und einer alten Schuld konfrontiert. Mit den Geistern der Vergangenheit.

In die malerische Felsenlandschaft der Sächsischen Schweiz, Ort seiner Kindheit und Jugend, kehrt der Erzähler zurück, doch als er sich mit Frau und der kleinen Tochter dort einrichten will, tauchen die langen Schatten der Vergangenheit auf. Sein bester Freund Vito verlor damals beim Klettern ein Bein, und die alte Schuld belastet den Erzähler noch immer.

Der jungen Familie schlägt Fremdheit und Misstrauen entgegen, als Vater fühlt sich der Erzähler überfordert, und überall ist die Präsenz der rechten Szene spürbar. Buchstäblich am Abgrund sitzend entwickelt sich die Fallhöhe aus den Ereignissen von früher zu einer Dynamik zwischen Schuldgefühlen und Familienpflichten. Intuitiv sucht er nach einem Platz für alle, inklusive Vito und den Erinnerungen, doch das hieße, sich der Gegenwart stellen.

Wie auf Zehenspitzen bewegt sich die Geschichte mit behutsam lyrischer Sprache, in der zugleich eine bedrohliche Unterströmung zu spüren ist. Und genau die bricht sich vehement Bahn: Das Elbhochwasser wird zum dramatischen Kipppunkt: Alle sind betroffen, die Fronten verhärten sich und die Familie findet mit den Freunden in einer Notgemeinschaft zusammen. Die Welt und das System stehen unter Wasser, so real wie symbolisch, und Handeln ist gefragt. – Thilo Krause wird für sein eindringliches Romandebüt "Elbwärts" mit dem Robert-Walser-Preis ausgezeichnet – wohlverdient.

Eine Rezension von Bettina Hesse

Thilo Krause über "Elbwärts"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 19.09.2020 11:35 Min. Verfügbar bis 18.09.2021 WDR 5

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Literaturangaben:
Thilo Krause: Elbwärts
Hanser Verlag, 208 Seiten, 22 Euro

Stand: 18.09.2020, 12:54