Takis Würger zur Kritik an "Stella": "Es berührt mich alles!"

Takis Würger über "Stella"

Autor im Gespräch

Takis Würger zur Kritik an "Stella": "Es berührt mich alles!"

Stella Goldschlag, eine historische Figur, verrät als jüdische "Greiferin" untergetauchte Juden an die Gestapo. Dass sein Roman "Stella" innerhalb weniger Tage so eine heftige Debatte auslöst, habe er nicht erwartet, sagt Takis Würger.

Es geht um die Frage, wer und wie man über eine jüdische Gestapo-Agentin und den Holocaust schreiben darf.

Sorge gehabt, dass die heftige Kritik so weitergeht

"Kitsch", urteilt die Zeit, "Schund" die FAZ, "literarische Hochstapelei" die taz. Der Roman sei "Symbol einer Branche, die jeden ethischen oder ästhetischen Maßstab verloren zu haben scheint", schreibt gar die Süddeutsche. Die Welt dagegen versteht die Verrisse und die Aufregung nicht. Der Roman sei gut geschrieben. Der NDR hat "Stella" zum Buch des Monats gekürt. Hanser-Verleger Jo Lendle verteidigt seinen Autor: Das Buch verhandle zentrale Fragen, der sich jede Generation neu stellen müsse. Wie entsteht Schuld? Wie ist mit Schuld umzugehen? Wie hätte ich mich selber verhalten?

Takis Würger über "Stella"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 19.01.2019 12:22 Min. Verfügbar bis 17.01.2020 WDR 5

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Dass sein Roman eine Debatte auslösen wird, habe er erwartet, so Takis Würger in der Sendung WDR 5 Bücher. Die Heftigkeit habe er aber nicht erwartet. "Es berührt mich alles", sagt er über die Kritiken. Nach den ersten beiden sehr harten Verrissen habe er die Sorge gehabt, dass das nun so weitergeht. Auf der anderen Seite habe er in zahlreichen Mails aber auch viel Zuspruch erfahren, dass er eine wichtige Debatte angestoßen habe. "Das ist das Entscheidende für mich", betont der junge Autor.

Heikle historische Figur ausgesucht

Der Inhalt des Romans ist schnell erzählt: Friedrich, ein junger reicher Schweizer, steigt 1942 in einem Berliner Luxushotel ab. Er lernt eine attraktive, blonde Frau namens Kristin kennen. Die beiden werden ein Liebespaar. Mit dem SS-Mann Tristan von Appen ziehen sie durch die verbotenen Jazz-Clubs Berlins. Erst nach und nach kommt Friedrich dahinter, dass Kristin sich unter falscher Identität versteckt hält. In Wirklichkeit heißt sie Stella Goldschlag, ist selbst Jüdin, und wird gezwungen, untergetauchte Juden an die Nazis zu verraten. Dadurch hofft sie, die eigenen Eltern vor der Deportation retten zu können.

Mit Stella Goldschlag hat sich der 33-jährige Autor und Spiegel-Journalist Takis Würger für seinen zweiten Roman eine heikle historische Figur ausgesucht. Als sogenannte "Greiferin" lieferte die reale Stella Goldschlag als junge Frau in Berlin hunderte Juden an die Nazis aus. Dafür wurde sie nach dem Krieg in der Sowjetischen Besatzungszone zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Mit 72 Jahren beging sie Selbstmord. Original-Zeugenaussagen aus dem Prozess sind in die fiktionale Liebesgeschichte eingefügt.

"Ich kann den Vorwurf nicht erkennen"

Es drängt sich der Verdacht auf, dass Stella eine extrem gute Kulisse für diese Liebesgeschichte im Roman ist, was mit Verweis auf die Opfer der Shoah einer der Vorwürfe ist. "Das Leben der historischen Stella Goldschlag hat mich dazu inspiriert, diesen Roman zu schreiben, weil es so grausam war, was sie getan hat, und weil es so schrecklich war, was sie erleben musste", sagt Takis Würger. "Ich kann den Vorwurf, der darin liegt, das zum Thema zu machen, nicht genau erkennen."  

Literaturangaben:
Takis Würger: Stella
Hanser Verlag, 224 Seiten, 20 Euro

Takis Würger auf Lesereise in NRW:

  • Ratingen 22.01.2019 Altstadt-Buchhandlung im Ratinger Kino
  • Herne 23.01.2019 Literaturhaus Herne Ruhr e.V.
  • Düsseldorf 24.01.2019 Literaturhaus Düsseldorf
  • Köln 25.01.2019 1LIVE Haus

Stand: 17.01.2019, 13:52