Susanne Röckel über "Der Vogelgott"

Susanne Röckel über "Der Vogelgott"

Autorin im Gespräch

Susanne Röckel über "Der Vogelgott"

Das Böse hat Schwingen und steckt im Federkleid: Susanne Röckels Roman über eine Familie, die einem mysteriösen Vogelgott zu nahekommt, hat Chancen auf den Deutschen Buchpreis.

Eigentlich kennt man ihn nur aus der griechischen Mythologie oder aus vormodernen Märchen: Den bösen Vogelgott, zum Beispiel in Gestalt des Adlers Ethon, der sich von der Leber des gefesselten Prometheus ernährt, oder den Vogel Greif aus dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm. In Susanne Röckels Roman bekommt der Vogelgott für die vier Mitglieder der Familie Weyde auch in unserer Gegenwart etwas sehr Reales, auch wenn nie ganz klar ist, wann und wo genau der Roman spielt.

Vater Konrad, passionierter Jäger und Ornithologe, begegnet dem mächtigen Vogel in einem abgelegenen Tal. Sohn Thedor wird in einem verlassenen Camp in Afrika Zeuge, wie eine junge Frau Opfer eines einheimischen Vogelkults wird. Tochter Dora ist einem kunsthistorischen Rätsel rund um das Bildnis eines Vogelgott-Opferkults aus dem 17. Jahrhundert auf der Spur. Sohn Lorenz könnte als Journalist im vierten Teil des Romans mit seiner Geschichte über die Machenschaften eines selbsternannten Heilers alle Fäden zusammenführen, wenn er nicht selbst abheben würde.

Aas lockt die Geier an. Wann immer in der Menschheitsgeschichte das Böse übernimmt – der Vogelgott ist nicht weit. Die Wissbegierde und die Vernunft des Menschen scheinen mitunter bösen Mächten unterworfen zu sein, die unerklärlich sind.

In einem rätselhaften wie spannenden Roman geht Susanne Röckel den Erscheinungsformen des Bösen nach. Ein anspruchsvoller Text, der einen belebenden Kontrapunkt zu den ewig gleichen Themen und Abhandlungen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur setzt.

Eine Rezension von Mareike Ilsemann

Susanne Röckel über "Der Vogelgott"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 06.10.2018 10:56 Min. Verfügbar bis 05.10.2019 WDR 5

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Literaturangaben:
Susanne Röckel: Der Vogelgott
Jung und Jung, 272 Seiten, 22 Euro

Stand: 05.10.2018, 16:30