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Stefan Kutzenberger über "Friedinger"

Stefan Kutzenberger über "Friedinger"

Autor im Gespräch

Stefan Kutzenberger über "Friedinger"

Ein verhinderter Schriftsteller hat drei Romanideen, aber keine Zeit zu schreiben. Man liest, wie er scheitert und hat am Ende doch eben diese drei Romane gelesen. Ein unterhaltsames literarisches Paradox in typisch österreichischer Manier.

Stefan Kutzenberger ist Literaturwissenschaftler und glücklich verheirateter Familienvater. Aber es gibt einen ungelebten Traum, der an ihm nagt: Eigentlich fühlt er sich als geborener Schriftsteller. Er bringt allerdings kaum eine Zeile zu Papier und findet immer wieder Gründe, die ihn vom Schreiben abhalten.

Da schenkt ihm seine Frau wohlmeinend einen Schreiburlaub in Griechenland. In einer urigen Pension, gelegen in einer malerischen Bucht, soll er seine Romanpläne voranbringen. Aber auch hier: keine Inspiration.

Stattdessen trifft Kutzenberger auf Friedinger, der nicht nur ebenfalls Österreicher ist, sondern seltsamerweise sogar in derselben Straße in Linz aufgewachsen ist. Friedinger unterhält den niedergeschlagenen Kutzenberger mit einer krimireifen Geschichte, in der es um Waffenhandel, ein verschollenes Klimt-Gemälde und einen toten Pakistaner geht. Gleichzeitig verguckt sich der Möchtegern-Schriftsteller in die junge Französin Clelia und krempelt einige Zeit nach seiner Rückkehr sein Leben radikal um.

Stefan Kutzenberger macht sich selbst zum Anti-Helden. Ohne Rücksicht auf Verluste dichtet er seinem literarischen Alter Ego allerlei peinliche Momente und Gelüste an. Ein Roman wie ein Spiegelkabinett, in dem man fasziniert herumtappt und am Ende überrascht ist, wie sich die Mosaikteile plötzlich passend zusammenfinden.

Eine Rezension von Lina Brünig

Stefan Kutzenberger über "Friedinger"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch | 07.07.2018 | 11:27 Min.

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Literaturangaben:
Stefan Kutzenberger: Friedinger
Deuticke, 256 Seiten, 22,00 Euro

Stand: 05.07.2018, 21:40