Renate Feyl über "Die unerlässliche Bedingung des Glücks"

Renate Feyl über "Die unerlässliche Bedingung des Glücks"

Autorin im Gespräch

Renate Feyl über "Die unerlässliche Bedingung des Glücks"

Burlesker Rosenkrieg und Revolution: Renate Feyl lässt anhand der Liebesbeziehung zwischen Ferdinand Lassalle und der Gräfin Sophie von Hatzfeld Deutschland im 19. Jahrhundert lebendig werden.

Im Alter von siebzehn war sie aus machtpolitischen Gründen mit ihrem Cousin Edmund Fürst von Hatzfeld-Wildenburg zu Trachtenberg verheiratet worden. Einem ausschweifenden Lebemann, der keinen Hehl aus seinen Affären macht. 1845 lebt Gräfin Sophie von Hatzfeld faktisch von ihrem Mann getrennt. Sie will sich scheiden lassen, findet aber keinen juristischen Beistand. Zu unerhört ist ihr Vorhaben.

Dann trifft Sophie den 20 Jahre jüngeren, bürgerlichen Studenten Ferdinand Lassalle. Er verliebt sich in sie und nimmt den Kampf auf. Ein spektakuläres und langjähriges Scheidungsverfahren beginnt, das stellvertretend für den Kampf der jungen Demokratiebewegung gegen die herrschenden Verhältnisse steht.

Autorin Renate Feyl versetzt sich überzeugend in die Perspektive der adligen Sophie und des wortgewandten, ungestümen Arbeiterführers Lassalle; Sprache und Gedankenwelt erscheinen authentisch rekonstruiert. Feyl erzählt von einer für die Zeit außergewöhnlichen Beziehungs- und Emanzipationsgeschichte, anhand derer die Konflikte und Umbrüche der Gesellschaft in den deutschen Staaten Mitte des 19. Jahrhunderts lebendig werden.

Das Ende gibt die Historie vor. Lassalle stirbt 1864 an den Folgen eines Duells. Als geistiger Vater der deutschen Sozialdemokratie geht er in die Geschichte ein. An Sophie von Hatzfelds Lebensleistung erinnert dieser lesenswerte Roman.

Eine Rezension von Mareike Ilsemann

Renate Feyl über "Die unerlässliche Bedingung des Glücks"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 16.11.2019 11:43 Min. Verfügbar bis 14.11.2020 WDR 5

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Literaturangaben:
Renate Feyl: Die unerlässliche Bedingung des Glücks
Kiepenheuer & Witsch, 432 Seiten, 24 Euro

Stand: 15.11.2019, 14:21