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Patrick Findeis über "Paradies und Römer"

Autor im Gespräch

Patrick Findeis über "Paradies und Römer"

Stand: 08.04.2022, 11:17 Uhr

Eine Sozialsiedlung in einer Stadt in der schwäbischen Provinz, dort, wo sich die
Paradies- und die Römerstraße kreuzen. Frankie, Ellen, Danilo und Ferry sind dort aufgewachsen und auf ganz unterschiedliche Weise von dem Milieu zwischen Alkohol, Gewalt und Armut beschädigt.

Frankie hat eine Lehre als Zahntechniker gemacht, hat eine Frau und einen kleinen Sohn und lebt in der Großstadt Stuttgart. Doch Paradies und Römer holt ihn immer wieder ein. Danilo, inzwischen Schuldeneintreiber für ein Inkassounternehmen, taucht bei seinem Chef auf und fordert Spielschulden ein.

Er ist verheiratet mit Ellen, einer klugen Frau aus der Siedlung, die nach mehreren Abstürzen gerade dabei ist, sich zu fangen. Sie hat mit Danilo drei Töchter, ist auf der Flucht vor seiner Gewalttägigkeit und will auch nicht von seinem schmutzigen Geld profitieren.

Der vierte im Bunde, Ferry, ist schon jung gestorben. Ferry schlüpft in Patrick Findeis‘ Roman als Geist der Siedlung in die Erzähler-Rolle. Er kennt sie alle seit Kindertagen und steht in direktem Kontakt mit Danilo, der verzweifelt versucht, seiner Verantwortung gegenüber seiner Familie gerecht zu werden und am Ende selbst Opfer von Gewalt wird.

Patrick Findeis schreibt über Abgehängte, die in der baden-württembergischen Provinz der 1980er Jahre wenig Chancen haben. Bildung ist schon damals ein Aufstiegsversprechen, das oft nicht eingehalten wird. Oft reicht die Postadresse der Kinder in der Schule, um sie in die Versager-Schublade zu stecken.

Einige biografische Gemeinsamkeiten teilt Findeis, der für seinen Debütroman 2008 mit dem 3Sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt ausgezeichnet wurde, mit seinen Figuren. Er weiß, wovon er spricht.

"Paradies und Römer" erzählt Findeis in ruppiger Sprache, direkt und roh. Es wird viel geraucht und gesoffen, geschlagen und verloren. Am Ende bleibt wenig mehr als ein Hoffnungsschimmer, dass die Träume vom sozialen Aufstieg vielleicht doch nicht ganz ausgträumt sind.

Eine Rezension von Susanne Wankell

Patrick Findeis über "Paradies und Römer"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 09.04.2022 11:14 Min. Verfügbar bis 08.04.2023 WDR 5


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Literaturangaben:
Patrick Findeis: Paradies und Römer
Liebeskind Verlag,
208 Seiten, 20 Euro