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Mariusz Hoffmann über "Polnischer Abgang"

Autor im Gespräch

Mariusz Hoffmann über "Polnischer Abgang"

Stand: 07.04.2023, 12:19 Uhr

Ein einfühlsamer Einblick in ein jüngeres Kapitel deutsch-polnischer Geschichte: Der Debütroman erzählt von einer Familie aus Polen, die 1990 ihr Glück in Deutschland sucht.

Nach der Wende brechen viele Polen Richtung Deutschland auf und wollen in der Bundesrepublik ein neues Leben anfangen. Auch der 14-jährige Jarek und seine Eltern machen sich auf den Weg. Sie haben ein Visum, weil sie eine Einladung vorweisen können: Die Großmutter, die schon seit Jahren in Deutschland lebt, feiert Geburtstag. Die Einreise klappt.

Doch statt nach Hannover, wo die Oma lebt, verschlägt es die kleine Familie nach Nordrhein-Westfalen, in die Aufnahmestelle für Aussiedler. Und auch als sich die drei besser einleben und eine kleine Wohnung beziehen, findet der Vater immer neue Gründe, warum er die eigene Mutter nicht besuchen kann. Jarek weiß, dass es um einen lang zurückliegenden Verrat der Oma geht. Als sein Vater stur bleibt, macht er sich selbst auf den Weg nach Hannover.

Mariusz Hoffmann erzählt geradlinig und empathisch von Ankunft und Bleiben, Abschied und Wiederfinden. Eine zarte Komik schöpft er dabei aus der Absurdität der Ausgangssituation: Wie "beweist" man als Pole, dass man "eigentlich" Deutscher ist? Und was sagt es über ein Land aus, dass so ein Bekenntnis von Aussiedlern verlangt wird?

Eine unterhaltsame Lektüre, die zugleich Verständnis fördert für eine Erfahrung, die viele Einwanderer aus Osteuropa Anfang der Neunziger gemacht haben.

Eine Rezension von Lina Brünig

Mariusz Hoffmann über "Polnischer Abgang"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 08.04.2023 11:43 Min. Verfügbar bis 06.04.2024 WDR 5


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Literaturangaben:
Mariusz Hoffmann: Polnischer Abgang
Berlin Verlag, 2023
240 Seiten, 22 Euro

Lesung:
Am 19. April liest Mariusz Hoffmann in der Buchhandlung Beckmann in Werne