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Marius Hulpe über "Wilde grüne Stadt"

Marius Hulpe über "Wilde grüne Stadt"

Autor im Gespräch

Marius Hulpe über "Wilde grüne Stadt"

Marius Hulpe erzählt von einem iranischen Spion in der westfälischen Provinz. Ein originelles, sprachlich ausgefeiltes Debüt – und eine Geschichte, die man so noch nicht gelesen hat.

Reza wird 1960 vom persischen Schah-Regime zur Wirtschaftsspionage nach Deutschland geschickt. Der selbstbewusste junge Sohn eines Gutshofbesitzers bringt die besten Voraussetzungen mit: Er ist intelligent, sieht gut aus und möchte sein Land mit den technologischen Errungenschaften des Westens unterstützen. Für das Studium der Agrartechnik zieht er in eine westfälische Kleinstadt.

Die Enge der Provinz bedrückt ihn. Gleichzeitig ist der junge Iraner aber auch von der Koexistenz moderner Technik und jahrhundertealtem bäuerlichem Wissen fasziniert. Er verliebt sich in Bettina und bekommt mit ihr drei Kinder. Parallel bändelt er auch mit Clara an, die später von ihm den Sohn Niklas bekommt. Clara ist Erbin eines großen Pelzladens in der Stadt und kämpft mit den Erwartungen ihres Vaters.

Das Ganze ist nicht nur spannend, sondern auch außergewöhnlich aufgebaut: Nicht chronologisch, sondern eher assoziativ. Marius Hulpe erzählt so eine Jahrzehnte umfassende Familiengeschichte zwischen Iran und Deutschland, die große Dringlichkeit hat. Dabei überzeugt das Porträt der Kleinstadt ebenso wie die einfühlsam gezeichneten Charaktere: Auch wenn sie sich nicht immer liebenswert verhalten, verfolgt man sie gern auf ihrem Lebensweg. Mit sprachlicher Präzision und außergewöhnlichen Bildern führt er in eine längst vergangene Welt, die die Gegenwart noch immer prägt.

Eine Rezension von Lina Brünig

Marius Hulpe über "Wilde grüne Stadt"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 23.05.2020 11:52 Min. Verfügbar bis 22.05.2021 WDR 5

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Literaturangaben:
Marius Hulpe: Wilde grüne Stadt oder Im Labyrinth des entwurzelten Lebens
DuMont Verlag, 400 Seiten, 24 Euro

Stand: 22.05.2020, 14:20