Marie Gamillscheg über "Alles was glänzt"

Marie Gamillscheg mit "Alles was glänzt"

Autorin im Gespräch

Marie Gamillscheg über "Alles was glänzt"

Eine Dorfgemeinschaft an einem brüchigen Berg muss sich der drohenden Katastrophe stellen und zugleich dem Schwinden der Erinnerungen. In einer Art Archäologie erzählt Marie Gamillscheg vom Glanz und den Gefahren des Bergbaus für die Menschen und greift vielstimmig ein romantisches Thema auf.

Jeder im Ort spürt es: Der Berg bröckelt – vom langen Erzabbau unterhöhlt wird er über den alten Stollen zusammenbrechen und alle unter sich begraben. Als Martin mit dem Auto am Berg verunglückt, sehen die Bewohner darin ein Omen – die glatte Oberfläche der Dorfgemeinschaft bekommt Risse. Da helfen auch die Bemühungen des Regionalmanagers nicht, der die Leute umsiedeln soll. Als Fremder aus der Stadt kann er nur ahnen, welche Lebensentwürfe die Dorfbewohner haben und wie auch diese bröckeln und sich Stück für Stück auflösen.

Dicht an den Hauptfiguren erzählt der Roman von ihren Vorstellungen und Wünschen im örtlichen Beziehungsgeflecht, und die äußere Ruhe ist bis zum Zerreißen gespannt. Wie im Stollen arbeitet sich Marie Gamillscheg vor: Vielschichtig und formal spannend dringt sie tief ins Gedächtnis des Ortes und zugleich in menschliche Abgründe vor. – Ein glänzendes Debüt.

Eine Rezension von Bettina Hesse

Marie Gamillscheg über "Alles was glänzt"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch | 09.06.2018 | 10:01 Min.

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Literaturangaben:
Marie Gamillscheg: Alles was glänzt
Luchterhand Literaturverlag, 222 Seiten, 18 Euro

Stand: 07.06.2018, 14:14