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Maren Wurster über "Papa stirbt, Mama auch"

Maren Wurster über "Papa stirbt, Mama auch"

Autorin im Gespräch

Maren Wurster über "Papa stirbt, Mama auch"

In ihrem zweiten Roman erkundet Maren Wurster, was es bedeutet, wenn Eltern sterben. Indem sie von dieser Suchbewegung erzählt, erlebt sie Trost.

"Papa stirbt, Mama auch" ist die ernüchternde Wahrheit, und die Erzählerin geht beherzt auf die Suche nach dem, was war, was ist und was bleibt. Ihrem schwerkranken Vater steht sie näher und spricht ihn mit Du an. Die Annäherung an die demenzkranke Mutter, die sie ins Pflegeheim bringen muss, fällt ihr schwer, die Mutter bleibt unnahbar und fremd, und Erinnerungen lassen sich kaum noch teilen.

Als besorgte, auch überforderte Tochter, selbst Mutter eines Kindes, steht sie nun am schwierigen Übergang vom ‚Kind‘-sein zur Elternbetreuerin, ein Leben in der Lücke. Der Vater in der Intensivmedizin möchte eigentlich nur sterben, und die Mutter kann die Pflegevorschriften in Covid-Zeiten nicht mehr verstehen.

Als es der Tochter kurz gelingt, die Eltern zusammenzubringen, spürt sie die emotionale Dynamik zwischen dem Paar, dessen Kind sie ist. In filmischer Dramaturgie zeigt Maren Wurster ihre persönliche Sicht auf das eigene Leben – vom bedürftigen Kind zur erwachsenen Tochter und Mutter, die eine Haltung zum Sterben der Eltern finden muss.

Der schwierige Abschiedsweg, zugleich ein Plädoyer für die Fürsorgearbeit, ist mit den Reflexionen verschiedener Denker unterlegt und so feinfühlend offen erzählt, dass es Mut macht. Ihr Schreiben wird zur "Archäologie des Verlustes", die weit in die Familiengeschichte zurückreicht: hellwach, radikal und ungemein tröstlich.

Eine Rezension von Bettina Hesse

Maren Wurster über "Papa stirbt, Mama auch"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 07.08.2021 10:41 Min. Verfügbar bis 06.08.2022 WDR 5


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Literaturangaben:
Maren Wurster: Papa stirbt, Mama auch
Hanser Berlin, 157 Seiten, 20 Euro

Stand: 06.08.2021, 07:40