Lukas Linder über "Der Unvollendete"

Lukas Linder über "Der Unvollendete"

Autor im Gespräch

Lukas Linder über "Der Unvollendete"

Der Jungautor Anatol Fern blickt mit Mitte Dreißig auf sein Leben und stellt fest: Es könnte besser laufen.

Nach einem Studium hat er ein mäßig erfolgreiches Buch veröffentlicht, er arbeitet als Allrounder, als Hilfkraft, im Altersheim "Abendruh", sein Verhältnis zu seinen getrennt lebenden Eltern ist schwierig und unentspannt. Er ist verliebt in eine Frau, die für ihn offentlichtlich keinerlei Interesse zeigt.

Lukas Linders Geschichte nimmt Fahrt auf, als ein hochbetagter Bewohner von Haus "Abendruh" , Gustav Gustav, dem jungen Mann einen absurd erscheinenden Auftrag erteilt. Anatol soll stellvertretend für den fast 100-jährigen Pilzwissenschaftler auf einer Konferenz der Mykologen in der polnischen Stadt Lodz auftreten. Dort soll er die Forschungen des alten Herrn über das Netzwerk von Pilzen präsentieren. Diese zunächst aberwitzige Idee wird für Anatol immer mehr zur einzigen Ausfahrt aus einem ereignislosen und ernüchternden Alltag.

Als er dann noch aus seiner eigenen Wohnung gedrängt wird und auch das ersehnte Stipendium in New York an ihm vorbei geht, macht er sich auf die Reise. Die Konferenz ist ein Erfolg: das Publikum ist begeistert, Anatol Fern begegnet der attraktiven Jola und beschließt daraufhin in Polen zu bleiben und ein literarisches Pilzlehrbuch zu schreiben. Doch bleibt sein Leben seltsam schleppend und ziellos.

Lukas Linder erzählt davon in einer Sprache, die die Ereignislosigkeit seines Protagonisten mit zum Teil skurrilem Wortwitz zelebriert. Es sind zudem die furiosen Nebengestalten, die für Energie sorgen. Dazu gehören Anatols extrem erfolgreiche und hyperaktive Mutter und vor allem der wunderbar verschrobene, fast schon verrückte Pilzforscher Gustav Gustav. Der lebt die ihm zugeschriebene Narrenfreiheit gnadenlos aus und sorgt damit für großes Lesevergnügen.

Lukas Linder hat schon in seinem Romandebüt "Der Letzte meiner Art" gezeigt, dass er komisch schreiben kann, ohne Spott und mit viel liebevoller Zuwendung für seine Figuren. Diese findet er auch für Anatol. Am Ende lässt er offen, ob der junge Mann es schaffen will, sich zu ändern, oder einfach er selber bleibt.

Eine Rezension von Susanne Wankell

Lukas Linder über "Der Unvollendete"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 02.01.2021 10:03 Min. Verfügbar bis 02.01.2022 WDR 5


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Literaturangaben:
Lukas Linder: Der Unvollendete Verlag
Kein & Aber 2020 288 Seiten, 22 Euro

Stand: 02.01.2021, 13:14