Leonhard Hieronymi über "In zwangloser Gesellschaft"

Leonhard Hieronymi über "In zwangloser Gesellschaft"

Autor im Gespräch

Leonhard Hieronymi über "In zwangloser Gesellschaft"

Eine Reise über die Friedhöfe Europas legt die Oberflächlichkeit heutiger Gedenkkultur offen.

Ein junger Mann bereist Friedhöfe in Deutschland und Europa: Er besucht die Gräber bekannter und unbekannter Schriftstellerinnen und Schriftsteller und macht sich Gedanken über ihr Verschwinden oder ihre Unsterblichkeit.

Der Dichter Robert Gernhardt könnte zum Beispiel bald vergessen sein, befürchtet der namenlose Erzähler. In Weimar steht er vor Schillers leerem Grab. Mit zwei Freunden irrt er durch die Stadt Constanţa am Schwarzen Meer – an jenen Ort im heutigen Rumänien soll der römische Dichter Ovid seine letzten Lebensjahre in Verbannung verbracht haben.

Doch dem Erzähler geht es nicht nur um die Toten auf den Friedhöfen, sondern auch um die Lebenden. Zum Beispiel um die Touristen, die mit Rollkoffern über Berliner Friedhöfe eilen. Oder um Reisegruppen, die mit Checklisten im Gepäck Promigräber abhaken.

Hieronymi nimmt den Leser mit auf eine Reise, die an vielen Stellen vergnüglich und interessant ist, weil er sich mit beißendem Spott am heutigen Tourismus und oberflächlichem Gedenken abarbeitet. Dessen Entlarvung ist dem Autor ein Anliegen.

Ein Beitrag von Lina Brünig

Leonhard Hieronymi über "In zwangloser Gesellschaft"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 16.01.2021 11:08 Min. Verfügbar bis 15.01.2022 WDR 5


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Literaturangaben:
Leonhard Hieronymi: In zwangloser Gesellschaft
Hoffmann & Campe Verlag, 240 Seiten, 24 Euro

Stand: 15.01.2021, 13:27