Lena Gorelik über "Wer wir sind"

Lena Gorelik über "Wer wir sind"

Autorin im Gespräch

Lena Gorelik über "Wer wir sind"

Im Alter von elf Jahren verlässt Lena mit ihren Eltern, ihrem Bruder und der Großmutter die russische Heimat. Sie kommt nach Süddeutschland und lebt zunächst in einem Heim für Asylbewerber.

Lena lernt sehr schnell Deutsch und ist so gut in der Schule, dass sie eine Klasse überspringt. Gleichzeitig merkt sie, dass sie anders ist. Sie gehört als Jüdin nicht so richtig dazu. Ihre Eltern lernen nie akzentfrei Deutsch zu sprechen und können an ihre alten Karrieren, die sie in der Sowjetunion hatten, in Deutschland nicht anschließen.

"Wer wir sind" erzählt vom Fleiß und dem absoluten Integrationswillen gebildeter Einwanderer, die dennoch keine Chance haben. Die Tochter verspürt eine große Scham; später auch Scham für ihre Scham, denn die Eltern haben ihre Heimat verlassen, damit ihre Kinder es einmal besser haben.

Die Bürde, glücklich sein zu müssen, lastet auf ihr. Im Rückblick spricht Lena von sich in der dritten Person, von dem "Mädchen", das einsam und unsicher war. Sie gewährt einen intimen Blick hinter den Stacheldrahtzaun eines Flüchtlingswohnheims und in die verletzten Seelen von Menschen, die diskriminiert werden.

"Wer wir sind" ist ein autobiografischer Roman, eine Familiengeschichte, die von Zuwanderung und Fremdsein erzählt. Es tauchen immer wieder Wörter und Redewendungen in kyrillischer Schrift auf. Damit bekommt das Buch einen eigenen Klang und Rhythmus und lehrt uns zugleich etwas über die russische Kultur. Ein unendlich kluges und tief berührendes Buch.

Eine Rezension von Barbara Geschwinde

Lena Gorelik über "Wer wir sind"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 19.06.2021 10:31 Min. Verfügbar bis 19.06.2022 WDR 5


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Literaturangaben:
Lena Gorelik: Wer wir sind
Rowohlt Verlag, 320 Seiten, 22 Euro

Stand: 18.06.2021, 16:35