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Lea Draeger über "Wenn ich euch verraten könnte"

Autorin im Gespräch

Lea Draeger über "Wenn ich euch verraten könnte"

Stand: 21.01.2022, 14:55 Uhr

Die namenlose 13-jährige Ich-Erzählerin lebt in der Psychiatrie. Ihr monotoner Alltag dort ist geprägt von Regeln und Kontrolle. In ein kariertes Heft schreibt sie die Geschichte ihrer Familie und schafft es, ihre eigene Stimme zu finden.

Das Mädchen kommt aus einem Vorstadt-Reihenhaus, wo es mit dem Vater, der Mutter und der Schwester lebt, ins Krankenhaus, weil es verstummt ist und aufgehört hat zu essen. Im Krankenhaus wird sie zwangsernährt, verletzt sich selbst und flieht schließlich, um wieder nach Hause zu gehen.

Während ihrer Zeit in der Psychiatrie findet sie Worte, über ihr Leben und das ihrer Familie zu schreiben. Über die Großeltern, die aus der Tschechoslowakei kamen, um in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. Über die erzkatholische Moral. Das Kind misstraut der Sprache ihrer Vorfahren, die sie nie gelernt hat und die sie nicht versteht. Schweigen ist der Weg, für den sich die Familie entschieden hat und gegen den die Erzählerin mit den Mitteln ihrer eigenen Sprache ankämpft.

Es ist die Geschichte einer Familie, deren Männer die Gegenwart der Frauen überschatten. Patriachalische Gewalt, Missbrauch, Verachtung und Schweigen prägen das Leben von Großmutter, Mutter und Tochter.

Lea Draeger lässt uns in ungeschönten, klaren Worten an dem Weg des Mädchens teilhaben, die Sprachlosigkeit ihrer Familie zu überwinden. Sie beschreibt die Anstrengung, derer es bedarf, sich die Worte zu nehmen, um eine eigene Version der Erfahrungen und Ereignisse zu erzählen und damit die Chance auf Heilung zu ergreifen.

Eine Rezension von Susanne Wankell

Lea Draeger über "Wenn ich euch verraten könnte"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 22.01.2022 12:27 Min. Verfügbar bis 21.01.2023 WDR 5


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Literaturangaben:
Lea Draeger: Wenn ich euch verraten könnte
hanserblau, 24.1.2022
288 Seiten, 23 Euro