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Klaus Weise über "Sommerleithe"

Klaus Weise über "Sommerleithe"

Autor im Gespräch

Klaus Weise über "Sommerleithe"

Heldenleben am Fleischerhaken - Als Knirps wird der Erzähler in der elterlichen Metzgerei in den Wursthimmel gehängt – Auslöser für die Fabulierkunst einer überbordenden Schelmenbiografie von Klaus Weise, dem erfolgreichen Theater- und Opernregisseur.

Im Schlüsselerlebnis, am Fleischerhaken zu hängen und allem ausgeliefert zu sein, gelingt es dem Ich-Erzähler, die Welt trotz allem als Königreich zu begreifen. So entrollt sich sein Leben von den ersten DDR-Jahren im Wohlstand in Geras Paradies der "Sommerleithe", über den Tod des kleinen Bruders bis hin zur Flucht nach Westdeutschland 1958 – assoziativ aus staunender Kinder-Perspektive erzählt.

Ein Füllhorn von Ereignissen, Motiven oder Reflexionen mit Tiefgang wird in den episodenreichen "Wortbegehung einer Kindheit" ausgeschüttet: Oft sind die dramatischen Geschehnisse parodistisch oder gar mythisch-phantastisch aufgeladen, um schließlich wieder auf dem Boden der Realität und Zeitgeschichte zu landen.

Mit Stilelementen der Groteske, Komik, Überhöhung und Reflexion – z.B. über das Töten von Tieren oder die Erinnerung – wird eine ironische Distanz zum Schrecken hergestellt, getragen von der Liebe zur Sprache. Die mitunter krasse Lektüre verrät einen hochsensiblen Erzähler und bietet ebenso burleske wie lyrische Momente und subtil-brillante Einsichten.

Wer also das Fabulieren schätzt, Sprachmacht und Pirouetten der Erinnerung mag, ohne sich vor erzählerischen Wechselbädern zu fürchten betrete getrost Klaus Weises opulentes Romandebüt.

Eine Rezension von Bettina Hesse

Klaus Weise über "Sommerleithe"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 08.05.2021 12:13 Min. Verfügbar bis 07.05.2022 WDR 5


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Literaturangaben:
Klaus Weise: Sommerleithe
Elsinor Verlag 2021, 309 Seiten, 24 Euro

Stand: 07.05.2021, 15:40