Katharina Adler über "Iglhaut"

Autorin im Gespräch

Katharina Adler über "Iglhaut"

Stand: 06.05.2022, 15:11 Uhr

Das solidarische Miteinander in einer Münchner Nachbarschaft steht im Zentrum des Romans "Iglhaut" von Schriftstellerin Katharina Adler. Sie beweist: So mitreißend und witzig kann der ganz normale Alltag sein.

Die Iglhaut will eigentlich nur ihr Ding machen: In ihrer Holzwerkstatt in Ruhe die Aufträge bearbeiten und sich um ihre Hündin, die "Kanzlerin", kümmern. Aber in der Nachbarschaft ist immer etwas los und gern wendet man sich mit seinen Problemen an die verlässliche Schreinerin.

Die hat schließlich keinen Mann und keine Kinder und so nimmt jeder an, dass sie bestimmt Zeit hat, sich zu kümmern. Und so ganz ungern tut sie das auch gar nicht: Schaut nach der alten Gewerkschafterin von nebenan, sagt dem aggressiven Mann der Nachbarin Bescheid und sorgt sich um den Kirschbaum in Hof.

Dabei hat sie auch eigene Probleme: Die getrennt lebenden Eltern rücken ihr auf den Leib, und eine alte und eine neue Liebe machen ihr Kopfzerbrechen. Aber am Ende lässt sich eine Iglhaut nicht so schnell aus der Ruhe bringen.

Eine ruhige Schreinerin, die in einem ganz normalen Münchner Mietshaus lebt: Was sich nicht nach dem Stoff für eine Heldengeschichte anhört, ist dennoch genau das: Mit "Iglhaut" schenkt Katharina Adler der deutschen Literatur eine natürlich coole Figur von Format. So hochwertig gearbeitet wie ein Möbelstück aus der Holzwerkstatt – und hoffentlich auch genauso langlebig.

Rezension von Lina Brünig

Katharina Adler über "Iglhaut"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 07.05.2022 10:18 Min. Verfügbar bis 06.05.2023 WDR 5


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Literaturangaben:
Katharina Adler: Iglhaut
Rowohlt Verlag, 2022
288 Seiten, 22 Euro