Julia Rothenburg mit "Mond über Beton"

Julia Rothenburg

Autorin im Gespräch

Julia Rothenburg mit "Mond über Beton"

Über den Kotti, das Kottbusser Tor in Berlin Kreuzberg ist in den vergangenen Jahren viel berichtet worden. In ihrem Roman "Mond über Beton" gibt Julia Rothenburg dem sogenannten sozialen Brennpunkt ein menschliches Antlitz.

Sie heißen Mutlu, Baris, Aylin, Stanca, Marianne oder Günther und leben in einem Hochhaus mitten in Berlin. Eine Woche lang begleitet der Leser das Leben dieser Menschen. Alle haben mit ihren je eigenen Problemen zu kämpfen. Der türkische Gemüsehänder Mutlu ist alleinerziehend und mit zwei pubertierenden Jungen komplett überfordert. Seine Nichte Aylin unterstützt ihn zwar, sucht aber auch ihren Platz im Leben zwischen den Anforderungen ihrer traditionell türkischen Familie und dem Drang nach Selbstverwirklichung. Die Witwe Stanca kann ihre Miete nicht mehr zahlen und Günther und Marianne wollen dem schlechten Ruf ihrer Kreuzberger Heimat entgegensteuern.

"Mond über Beton" ist mehr als ein Kiezroman. Es geht um Gentrifizierung, Drogenmilieu und eine Form von voyeuristischem Tourismus, der sich am Elend der anderen ergötzt – und damit stellvertretend für andere urbane Räume steht. Dabei schreibt Julia Rothenburg nicht in einem anbiedernden Tonfall, der Akzente oder Slang imitiert. Sie findet vielmehr für alle Figuren einen spezifischen Ton. Ein überraschender Roman mit gesellschaftlichem Erkenntnisgewinn und Unterhaltungswert. Eine Empfehlung!

Eine Rezension von Barbara Geschwinde

Julia Rothenburg mit "Mond über Beton"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 10.07.2021 11:41 Min. Verfügbar bis 09.07.2022 WDR 5


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Literaturangaben:
Julia Rothenburg: Mond über Beton
Frankfurter Verlagsanstalt, 320 Seiten, 22 Euro

Stand: 09.07.2021, 14:26