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Isabel Bogdan über "Laufen"

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Isabel Bogdan über "Laufen"

Eine Frau trauert um ihren Lebenspartner, der sich das Leben genommen hat. Sie beginnt zu laufen. Während sie läuft wird der seelische Schmerz vom körperlichen überlagert – und erträglicher.

Die namenlose Ich-Erzählerin spielt Bratsche in einem Hamburger Streichquartett. Sie ist Anfang 40 und hat viele Jahre lang gemeinsam mit ihrem Mann gelebt, der sich als Automechaniker vor allem für Oldtimer begeistern konnte – bis ihn die Depression in den Tod zog.

Ein Jahr lang begleitet der Leser die Erzählerin, die sich allmählich aus der Trauer heraus kämpft. Zerrissen zwischen Erschöpfung, Selbstvorwürfen, einer unbändigen Wut auf die vorwurfsvollen Schwiegereltern und dem Trost einiger guter Freunde. Es ist der innere Monolog der Hinterbliebenen, die mit viel Tempo, Witz und Wut ihr Anrennen gegen den Schmerz in Worte fasst.

Alles spielt sich im Kopf der Erzählerin ab und betont so zugleich ihre Einsamkeit. Der Stil der Atemlosigkeit spiegelt sich in einem schnellen Text; mit vielen Kommas und wenigen Punkten. Ein beeindruckendes und Mut machendes Buch über die Möglichkeit, einen schweren Verlust überwinden zu können. Radikal und absolut zu empfehlen!

Eine Rezension von Barbara Geschwinde

Isabel Bogdan über "Laufen"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 11.01.2020 11:37 Min. Verfügbar bis 09.01.2021 WDR 5

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Literaturangaben:
Isabel Bogdan: Laufen
Kiepenheuer & Witsch, 208 Seiten, 20 Euro

Das Hörbuch (erschienen bei Argon), ungekürzt gelesen von Johanna Wokalek, ist für den Deutschen Hörbuchpreis 2020 nominiert.

Stand: 10.01.2020, 14:03