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Ingo Schulze über "Tasso im Irrenhaus. Drei Erzählungen"

Porträt von dem Schriftsteller Ingo Schulze , 13.02.2019

Autor im Gespräch

Ingo Schulze über "Tasso im Irrenhaus. Drei Erzählungen"

Drei Geschichten über die Kunst und ihre Wirkung auf die Menschen. Ingo Schulze glänzt mit fein beobachteten und elegant konstruierten Künstlernovellen.

In der Erzählung "Das Deutschlandgerät" geht es um einen berühmten Schriftsteller aus der DDR, der schon lange in Düsseldorf lebt. Nach seiner Ausbürgerung hatte ihn die westdeutsche Kulturgemeinschaft freundlich aufgenommen. Er hat aber mit der Zeit immer mehr das Gefühl, auf die Rolle des Dissidenten festgelegt zu sein und hadert mit seinen alten Romanen.

Neue Hoffnung gibt ihm ein Kunstwerk im Düsseldorfer Ständehaus: Die Installation „Das Deutschlandgerät“ schenkt ihm ein Muster, mit dem er sich und seine Texte neu erfinden will.

Die Geschichte "Tasso im Irrenhaus" ist nach dem gleichnamigen Gemälde von Delacroix benannt. Ein Schriftsteller will einen freien Tag genießen und das Bild vor Ort in der Schweiz besichtigen. Er soll in wenigen Wochen einen Vortrag darüber halten und möchte es deswegen in Ruhe studieren. Doch ein anderer Besucher der Sammlung spricht ihn an und erzählt so kundig von Delacroix und Tasso, dass dem Schriftsteller die Lust an seinem Vortrag vergeht.

In der dritten Geschichte "Die Vorlesung" gerät ein weiterer Schriftsteller, diesmal mit dem Namen Ingo Schulze, in einen besonderen Kaffeeklatsch. Er hatte den Auftrag erhalten, über ein Bild des Berliner Malers Johannes Grützke zu schreiben.

Als er den todkranken Künstler dann im Hospiz besucht, trifft er in dessen Zimmer auf eine fröhliche Runde aus engen Freunden des Malers. Der Schriftsteller fühlt sich zunächst fehl am Platze, lässt sich dann aber auf das Gespräch über das Wesen der Kunst ein. Die aufbauende, manchmal aber auch einschüchternde Wirkmacht der Kunst zieht sich als roter Faden durch die drei Geschichten.

Ingo Schulze zeigt einmal mehr, wie die kurze Erzählform zu großer Literatur werden kann. Seine Künstlernovellen bieten reichlich tragikomische bis absurd-witzige Momente, sodass die Ernsthaftigkeit der geschilderten Gespräche über Kunst apart aufgebrochen wird.

Eine Rezension von Lina Brünig

Ingo Schulze über "Tasso im Irrenhaus"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 22.05.2021 11:16 Min. Verfügbar bis 21.05.2022 WDR 5


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Literaturangaben:
Ingo Schulze: Tasso im Irrenhaus. Drei Erzählungen
dtv Literatur, 160 Seiten, 20 Euro

Stand: 21.05.2021, 16:04