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"Kindheitsroman. Die Urfassung" von Gerhard Henschel

Gerhard Henschel

"Kindheitsroman. Die Urfassung" von Gerhard Henschel

Mit "Kindheitsroman. Die Urfassung" geht Gerhard Henschel an den Anfang seiner Martin-Schlosser-Romane zurück. Aus der Perspektive des Kindes Martin Schlosser erzählt er episodenhaft aus dem Leben einer bürgerlichen Familie in den 1960er Jahren. Es sind seine eigenen Erinnerungen - jetzt auch mit Original-Familienfotos dokumentiert.

"Kindheitsroman. Die Urfassung" von Gerhard Henschel

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 14.08.2021 11:42 Min. Verfügbar bis 13.08.2022 WDR 5


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Martin Schlosser lebt behütet mit seinen Eltern und den Geschwistern Renate, Volker und Wiebke. Die Kindheit, von der er erzählt, ist von Gerhard Henschel. Er nimmt uns mit in das Deutschland des Wirtschaftswunders der 1960er Jahre, erzählt vom gesellschaftlichen Aufstieg der Familie, von seiner Schulzeit bis zum Gymnasium.

Der Familie geht es gut, sie zieht von einer kleinen Wohnung in Koblenz-Lützel ins Eigenheim. Die Mädchen haben die Vornamen ihrer Generation, sie heißen Renate, Roswitha, Heike und Melanie. Bei den Jungen war es die Zeit der Dieter, Ingos und Dirks. Auf dem Wohnzimmertisch liegt die Fernsehschrift HörZu, es gibt drei Programme, samstagsnachmittags läuft Bonanza. Weihnachten gibt es einen Zauberkasten und eine Carrerabahn, die Kinder schenken den Eltern Stickbilder und Laubsägearbeiten. Das Taschengeld beträgt 20 Pfennig pro Woche und Lebensjahr.

Stück für Stück stellt Gerhard Henschel uns das Personal seines Kindheitsromans vor, in kleinen Geschichten, Erinnerungen und Episoden: seine Verwandschaft, seine Lehrerin, seine Spielgefährten. Wie sein Vorbild Walter Kempowski arbeitet Gerhard Henschel mit kurzen Textabschnitten, seine literarische Form, die eigenen Erinnerungen und die seiner Familie zu einem Bild neu zusammenzusetzen und so auch die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu erzählen.

Der "Kindheitsroman" erschien zuerst 2004. Jetzt verlässt Gerhard Henschel endgültig die Fiktion und ergänzt seine Texte mit dokumentarischem Fotomaterial aus dem Familienarchiv und Auszügen aus dem Kriminalroman "Die gnadenlose Jagd", den er als Grundschulkind geschrieben hat. Vielversprechend.

Eine Rezension von Susanne Wankell

Literaturangaben:
Gerhard Henschel: Kindheitsroman. Die Urfassung
Verlag Hoffmann und Campe 528 Seiten, 26 Euro

Stand: 08.08.2021, 16:58