Doris Knecht über "Die Nachricht"

Doris Knecht

Autorin im Gespräch

Doris Knecht über "Die Nachricht"

Erst ist es nur ein Facebook-Post, doch dann kommen die bedrohlichen Nachrichten regelmäßig. Doris Knecht erzählt von einer Frau, die sich behaupten muss gegen anonyme verletzende Nachrichten.

Ruths Mann, Ludwig, ist vor drei Jahren bei einem Skiunfall gestorben. Inzwischen sind die Kinder mehr oder weniger selbständig, und Ruth hat sich im Landhaus der Familie einigermaßen mit ihrem Leben als alleinstehende Frau arrangiert. Wobei ihre Erinnerung an Ludwig von einem Schatten getrübt wird, denn zur Zeit seines Todes hatte er eine Affäre und hätte Ruth womöglich verlassen.

Diese Tatsache, die nur Ruths engste Vertraute kennen, spießt eines Tages der anonyme Verfasser einer Facebook-Nachricht auf. Und es bleibt nicht bei dieser einen verletzenden Nachricht. Weitere folgen, landen auch bei Freundinnen und Freunden, Verwandten, Auftraggebern. Ruth ist nicht nur erschüttert von diesen indiskreten Nachrichten, sondern auch von der Tatsache, dass nicht alle ihr wichtigen Menschen die Sache ernst nehmen oder ihr zumindest glauben.

Die österreichische Autorin Doris Knecht hat einen beunruhigenden Roman geschrieben darüber, wie leicht es ist, mittels verletzender Social Media-Nachrichten ein Leben massiv zu stören. Denn nicht nur sind die Nachrichten bald Dauerthema zwischen Ruth und den ihr nahestehenden Menschen. Plötzlich gibt es auch Schwierigkeiten mit ihren Auftraggebern.

"Die Nachricht" erzählt erschreckend plausibel und mit traurigem Unterton davon, dass es auch im 21. Jahrhundert und nach #MeToo für eine Frau nicht immer leicht ist, Gehör und Vertrauen zu bekommen, selbst von ihrer engsten Umgebung.

Eine Rezension von Dina Netz

Doris Knecht über "Die Nachricht"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 24.07.2021 10:25 Min. Verfügbar bis 23.07.2022 WDR 5


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Literaturangaben:
Doris Knecht: Die Nachricht
Verlag Hanser Berlin, 256 Seiten, 22 Euro

Stand: 23.07.2021, 12:57