Dalibor Marković über "Pappel"

Dalibor Marković über "Pappel"

Autor im Gespräch

Dalibor Marković über "Pappel"

Hier geht es um das fantastische Leben des Pappelsprosses Konrad auf den Spuren von Franz Kafka. Der Debütroman des spoken word-Poeten Dalibor Marković verschnürt Zeit und Epochen zu überbordender Erzählkunst.

Am 3. Juli 1883 bringt Juli Kafka ihren ersten Sohn zur Welt, zeitgleich hat der Samen einer Schwarzpappel gekeimt, und Konrad Pappel entdeckt seine Beweglichkeit. Er marschiert los in ein ereignisreiches Leben. Vom Wunsch Indianer zu werden, als Heizer nach Amerika oder in die Beschreibung eines Kampfes gerät der staunende Spross, meist durch Frauen, und durchlebt unglaubliche Episoden, ob Krieg, Kino oder Kommerz, bis hin zur Verwandlung.

Eine ominöse Papprolle taucht auf, mit Hilfe eines Parlographen ist auf der Walze Kafkas Stimme zu hören – der Schriftsteller trug exzellent vor, das ist verbürgt. In der Fülle der Episoden, die Ausflüge in Teilchenphysik, Topographie, Guerillabusiness, Kafkaexegese, Mathematik oder Musikgeschäft, lebt Marković’ Stil von der Lust an Sprache und Geschichten.

Er erzählt chronologisch, doch wenn Pappel in akuter Gefahr steckt oder Wünsche unerfüllt bleiben, verlässt die Geschichte die vertrauten Perspektiven von Raum und Zeit. Durchweg gehorcht der Text aber, wie die Quantenphysik, den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit – es sei denn, es handelt sich gerade um einen von Konrads visionären Träumen. Dann braucht es Schwindelfreiheit.

Also: Wer es magisch und wild assoziierend, detailversessen, sprachvirtuos und voll groteskem Humor mag, sollte Konrad Pappel durch sein langes Leben begleiten.

Eine Rezension von Bettina Hesse

Dalibor Marković über "Pappel"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 06.11.2021 11:21 Min. Verfügbar bis 05.11.2022 WDR 5


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Literaturangaben:
Dalibor Marković: Pappel. Die Geschichte eines Herumtreibers
Verlag Volant & Quist, 2021
288 Seiten, 24 Euro

Stand: 05.11.2021, 13:01