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Rayk Wieland über "Beleidigung dritten Grades"

Autor im Gespräch

Rayk Wieland über "Beleidigung dritten Grades"

Stand: 22.04.2022, 12:51 Uhr

Ein Psychiater erhält einen Brief mit der Aufforderung zu einem Duell und geht damit zur Berliner Polizei, um Anzeige zu erstatten. Doch die ist ratlos. "Beleidigung dritten Grades" ist eine irrwitzige Groteske, die unterhält und ganz nebenbei auch klüger macht.

Alexander Schill ist ein frustrierter Antiquar, der sich für historische Duelle begeistert. Seine Geschäfte allerdings laufen immer schlechter. Als ihm dann auch noch der Psychiater seiner Freundin dieselbe ausspannt, tut er das Naheliegendste: Er fordert den Psychiater Oskar Markov zum Duell. So viel zur abstrusen Grundidee des Romans.

Der Herausgeforderte wiederum rennt prompt mit dem Brief zur Berliner Polizei, die aber nicht wirklich mehr zu tun vermag, als zu konstatieren, dass es Duelle doch schon längst nicht mehr gibt. Währenddessen nehmen die Vorbereitungen für ein Aufeinandertreffen der beiden Männer immer konkretere Gestalt an. Auch die besonnenen Sekundantinnen können das nicht zu verhindern.

Rayk Wieland nimmt seine Leserinnen und Leser mit durch eine kleine Kulturgeschichte der Duelle und entwirft eine vergleichbare Grundkonstellation in der Gegenwart. Dabei verwebt er geschickt die gegenwärtige Geschichte mit dem letzten historischen Duell auf deutschem Boden im Jahr 1937 zwischen zwei Nazis.

Der Roman "Beleidigung dritten Grades" ist absurd, komisch und grotesk. Er führt die toxische Männlichkeit ebenso vor wie den Bürokratismus der Polizei oder die heutige Stillosigkeit bei der Lösung von Konflikten. Rayk Wieland ist ein sehr temporeicher, mitreißender und witziger Roman gelungen – absolut unterhaltsam und zugleich sehr klug.

Eine Rezension von Barbara Geschwinde

Rayk Wieland über "Beleidigung dritten Grades"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 23.04.2022 13:49 Min. Verfügbar bis 22.04.2023 WDR 5


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Literaturmagazin:
Rayk Wieland: Beleidigung dritten Grades
Verlag Antje Kunstmann, 2022
368 Seiten, 24 Euro