Anna Weidenholzer über "Finde einem Schwan ein Boot"

Anna Weidenholzer über "Finde einem Schwan ein Boot"

Autorin im Gespräch

Anna Weidenholzer über "Finde einem Schwan ein Boot"

Ein Mietshaus in Österreich. Während die Liebe von Elisabeth und Peter stirbt, löst sich der Zusammenhalt in der Nachbarschaft auf. Elisabeth schildert den Zerfall als stille, aber unerbittliche Beobachterin – "Finde einem Schwan ein Boot" ist eine subtile Erforschung der brüchigen Mittelschicht.

Der Roman erzählt die Geschichte von Peter und Elisabeth, die in einer größeren österreichischen Stadt leben. Es gibt zwei Erzählstränge: Eine durchwachte Nacht, in der Elisabeth ihr Leben mit Peter und den Nachbarn im Häuserkomplex reflektiert. Die andere Ebene durchbricht diese "Nachtwache" mit Episoden aus dem Alltag des Paares: Szenen mit Peters Eltern und Schwester, Treffen mit den Nachbarn, gemeinsame Ausflüge.

Nach und nach entfaltet sich der Mikrokosmos des Hauses und seiner Bewohner. Elisabeths genauer Blick trifft nicht nur die Nachbarn, sondern auch ihren Partner. Mit fast schon brutaler Präzision legt sie offen, wie man aneinander vorbeilebt und sich doch nicht aus dem Weg gehen kann: Karla und Heinz, die von gegenüber in die Fenster schauen, der alte Herr Fleck, der immer öfter ohne Hose in seinem Sessel sitzt und in den Fahrtstuhl pinkelt oder auch die Professorin, die im Stammcafé ungefragt psychologische Experimente referiert.

Anna Weidenholzer beschreibt das Ende einer Gemeinschaft – analytisch und mit trockenem Witz.

Eine Rezension von Lina Brünig

Anna Weidenholzer über "Finde einem Schwan ein Boot"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 03.08.2019 10:42 Min. Verfügbar bis 01.08.2020 WDR 5

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Literaturangaben:
Anna Weidenholzer: Finde einem Schwan ein Boot
Matthes & Seitz Berlin, 212 Seiten, 20 Euro

Stand: 02.08.2019, 13:48