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Edgar Selge empfiehlt Édouard Louis

Edgar Selge

Auf meinem Nachttisch

Edgar Selge empfiehlt Édouard Louis

Man kennt Edgar Selge als Schauspieler. Studiert hat er Klavier. Und nun hat er mit "Hast du uns endlich gefunden" seinen ersten Roman veröffentlicht. Darin erzählt ein Zwölfjähriger seine Geschichte zwischen Gefängnismauer und klassischer Musik.

Die Geschichte ist stark autobiographisch geprägt. Edgar Selge wurde im Sauerland geboren und wuchs mit seinen Brüdern in unmittelbarer Nähe einer Justizvollzugsanstalt für Jugendliche auf, deren Direktor sein Vater war.

Musik spielte in seinem Elternhaus eine große Rolle, er studierte Philosophie und Germanistik sowie klassisches Klavier, bevor er in München an der Otto Falckenberg Schule eine Schauspielausbildung absolvierte. An den Münchner Kammerspielen, arbeitete Edgar Selge mit Regisseuren wie Dieter Dorn, George Tabori und Franz Xaver Kroetz zusammen.

Er gastierte am Burgtheater Wien, am Schauspielhaus Zürich, am Deutschen Theater Berlin, am Residenztheater München und bei den Salzburger Festspielen. Große Beachtung fand zuletzt seine Interpretation in der Bühnenadaption des Romans "Unterwerfung" von Michel Houellebecq am Schauspielhaus Hamburg in einer Fassung von Karin Beier und Rita Thiele. Jede Aufführung begreift Edgar Selge als neue Herausforderung, das Theater bedeutet für ihn Freiheit.

Für seine Rolle des einarmigen Kommissars Jürgen Tauber im "Polizeiruf 110" wurde er unter andreem mit dem Detuschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Diese Figur machte Edgar Selge über die Theaterbühnen hinaus bei einem breiten Publikum bekannt.

Edgar Selge hat in seinem gerade erschienenen Debütroman über seine eigene Kindheit zwischen Gefängnis, Hauskonzerten, Kino und Kirmes geschrieben. Es ist eine Auseinandersetzung auch mit seinem Vater, der ein strenges, auch von Gewalt geprägtes Regime im Hause führte, der Blick sowohl des zwölfjährigen Jungen als auch des erwachsenen Mannes auf die persönliche Geschichte.

Auf seinem Nachttisch liegt "Die Freiheit einer Frau" von Édouard Louis, die Geschichte der Befreiung einer Frau aus einem Leben mit Armut und männlicher Gewalt. Auch in diesem Buch blickt der Autor auf seine Kindheit, auf seine Mutter, die sich radikal dieser Lebenssituation entzog, aufstand und einfach wegging.

In WDR 5 Bücher spricht Edgar Selge mit Christine Westermann über das, was er liest und das, was er schreibt, und was dazwischenliegt.

Ein Beitrag von Susanne Wankell

Edgar Selge empfiehlt Édouard Louis

WDR 5 Bücher - Auf meinem Nachttisch 27.11.2021 10:13 Min. Verfügbar bis 26.11.2022 WDR 5


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Literaturangaben:
Édouard Louis: Die Freiheit einer Frau.
Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel.
S. Fischer, 2021.
96 Seiten, 17 Euro.

Edgar Selge: Hast du uns endlich gefunden.
Rowohlt Verlag, 2021.
304 Seiten, 24 Euro.

Stand: 26.11.2021, 11:08