Buchcover: "Wie man ein Wunder löscht. Neue Gedichte aus Portugal"

Aktuelle Lyrik

"Wie man ein Wunder löscht. Neue Gedichte aus Portugal"

Stand: 31.12.2021, 12:25 Uhr

Kann man Wunder löschen? Hinter dem mysteriösen Titel verbirgt sich eine ausgezeichnete Sammlung zeitgenössischer Lyrik aus Portugal.

Die Gedichtsammlung kommt aus dem kleinen, aber feinen Kölner Verlag Parasitenpresse, der sich seit über 20 Jahren auf Lyrik und Kurzprosa spezialisiert hat. Dafür wurde er 2021 mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet. Ehre wem Ehre gebührt. "Mit den Gedichten der acht Lyrikerinnen und Lyriker möchten wir vor Augen führen, wie kulturell und politisch divers die portugiesische Gegenwartslyrik ist." Das schreiben im Nachwort Beatrice Cordier und Laurine Irmer, die für Auswahl und Übersetzung verantwortlich sind.

Genau gesagt sind es sechs Lyrikerinnen und zwei Lyriker, die hier den geneigten Leserinnen und Lesern von dem erzählen, was sie bewegt und zu Gedichten inspiriert hat. Thematisiert werden die eigene Seelenlage, Verreisen, die koloniale Vergangenheit Portugals, die nach wie vor mächtige katholische Kirche in Portugal, gesellschaftliche Traditionen und einiges mehr.

Sich selbst, private und politische Situationen reflektierend, sind den relativ jungen Lyrikerinnen und Lyrikern eindringliche Gedichte gelungen, die bisweilen drastisch im Ausdruck, selten hermetisch und oft durchaus komisch sind.

"Wie man ein Wunder löscht" ist eine immer interessante und sehr lesenswerte Anthologie, die jederzeit zu empfehlen ist – nicht nur zur Weihnachtszeit.

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Wie man ein Wunder löscht. Neue Gedichte aus Portugal
Von Basco, Francisca Camelo, Gisela Casimiro, Sara F. Costa, Patrícia Lino, Cláudia Lucas Chéu, Rafael Mantovani und Inês Morão Dias.
Mit je einem Originaltext und Zeichnungen von Dmitry Ilko.
Herausgegeben und aus dem Portugiesischen von Beatrice Cordier und Laurine Irmer
Parasitenpresse, 2021
90 Seiten, 12, Euro