"Waldquell" von Karl Marx

Buchcover: "Weltgericht" von Karl Marx

Aktuelle Lyrik - Ein Gedicht

"Waldquell" von Karl Marx

Sieh mal einer an: Der große Karl Marx hat auch gedichtet. Zum 200. Geburtstag des bedeutenden Philosophen ist ein Buch erschienen mit Gedichten, die überraschen. Es heißt "Weltgericht".

Wer jetzt denkt, der Ökonom und Gesellschaftstheoretiker Karl Marx hätte "Das Elend der Philosophie" oder die "Kritik der politischen Ökonomie" schon vor der Veröffentlichung sozusagen als Fingerübung in Reime gefasst, wird hier nicht auf seine revolutionären Kosten kommen.

Karl Marx hat nämlich gedichtet wie ein Romantiker, was insofern völlig logisch ist, da diese Gedichte in der Romantik entstanden sind, nämlich samt und sonders im Jahr 1837.

19 Jahre jung war der Trierer Sohn, als er seine lyrischen Arbeiten zu Papier brachte, die er größtenteils seinem Herrn Papa widmete, der sie behutsam kritisiert, aber wohlwollend zur Kenntnis genommen haben soll. Schließlich war Sohn Karl noch kein Links-Hegelianer und auch noch kein polemisierender Zeitkritiker, sondern eher ein poemisierender Beobachter von Natur, Weib und Ritterwesen.

Wer hätte vermutet, dass wir mal was vom "Blumengreis", vom "Ritter Gluck" oder vom "Wassergreis" aus der Feder von Karl Marx erfahren? Wussten Lenin, Mao und Erich Honecker davon, haben sie wissentlich der Internationalen der Werktätigen den "Ritter Gluck" vorenthalten – wegen offensichtlicher Verherrlichung des Adels, wenn auch des niederen?

Zu lesen ist ein Buch mit vielen Gedichten, einigen Epigrammen, Fragmenten eines Dramas und Teilen eines Romans. Alles in allem stellt das Marx-Buch "Weltgericht" mit Sicherheit einen selten gelungenen Beitrag zu den Marx-Huldigungen 2018 dar. Schließlich verleitet es auch zum Schmunzeln. Inwiefern allerdings vieles komisch gedacht war von Karl dem Großen, das sollte der Leser selber herausfinden.

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Karl Marx: Weltgericht. Dichtungen aus dem Jahre 1837
Verlag J.H.W. Dietz Nachf., 372 Seiten, 36 Euro

Stand: 04.05.2018, 13:24