"Unter Samaritern" von Heinrich Detering

Buchcover: "Untertauchen" von Heinrich Detering

Aktuelle Lyrik

"Unter Samaritern" von Heinrich Detering

Derridas Katze, Moränen in Nütschau und invasive Arten: Heinrich Deterings Gedichtband "Untertauchen" fasziniert mit Geschichten aus vergangenen Zeiten und nimmt die Schönheit der Natur ins Visier.

Heinrich Detering ist Literaturwissenschaftler, Übersetzer und Lyriker. Von 2011 bis 2017 war er außerdem Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Dass der ehemalige Präsident ein sehr guter Lyriker ist, das haben schon seine fünf früheren Lyrikbände bewiesen. "Wundertiere" hieß Deterings vergangene Veröffentlichung, in dem sich vom Moorochsen bis zum Grottenolm fröhlich allerhand tummelte, was der konventionellen Aufmerksamkeit entgeht.

Auch jetzt zeigt uns Heinrich Detering in "Untertauchen", dass es eine wahre wundervolle Welt hinter dem Offensichtlichen gibt. Zwischen Detmold, Stratford und Ithaka leben die "Seegurke, tausend Jahre Dunkelheit" und die "Wisperer – niemand weiß wer sie sind, sie bewispern die Gräser im Stillen". Auch der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock lebt, wenn auch "schlaflos" in Deterings Gedichten, die neben dem Zeitgenössischen alte vergessene Geschichten ausgraben. "Wolfsgalgen" erzählt von der Tötung des letzten Wolfes in Friesland 1783, und "Blauer Mond" berichtet vom King des Rock’n‘ Roll: "…unterm Blaulicht summt Elvis die Antwort auf den verhallenden Satz…"

Wer Odysseus, Elvis, Seegurken und Klopstock zusammenbringen kann, hat einen weiten Horizont. Heinrich Detering ist ein außergewöhnlich guter Dichter, dessen klare Sprache besticht. Ein wahrer Meister. So etwas kann man nur empfehlen.

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Heinrich Detering: Untertauchen.Gedichte
Wallstein Verlag, 95 Seiten 20 Euro

Stand: 07.08.2019, 13:57