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"Ohne Gepäck" Aus: "stille trommeln" von Ulla Hahn

Buchcover: "stille trommeln" von Ulla Hahn

"Ohne Gepäck" Aus: "stille trommeln" von Ulla Hahn

Ulla Hahn hat einen neuen Band mit Gedichten aus zwei Jahrzehnten veröffentlicht: "stille trommeln".

Als 1981 Ulla Hahns erster Gedichtband "Herz über Kopf" erschien, verkaufte der sich in zwei Jahren 18.000 mal und machte sie zur Bestseller-Lyrikerin. 40 Jahre und etliche Bücher mit Gedichten später zeigt sich, dass die heute 75-Jährige nichts eingebüßt hat an Frische.

Zeitlich entstanden die Gedichte aus "stille trommeln", während Ulla Hahn an ihrer autobiographischen Tetralogie, den "Hilla Palm-Romanen" schrieb, also ungefähr in den vergangenen 20 Jahren. Auch inspiriert durch ihre Tagebucheintragungen erinnern die Gedichte an die gelebte Zeit, weisen aber auch in die Zukunft, insbesondere in der Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften. Eine Auseinandersetzung, die, so zu lesen in ihrem Nachwort, neu für die Lyrikerin war. Im Nachwort, das die Arbeit an den "Hilla Palm-Romanen" reflektiert und so die Beziehung herstellt zu "stille trommeln", findet sich denn auch ein von ihr so noch nicht geäußertes Bekenntnis: "Dass wir unseren Planeten, unsere Heimat, Tag für Tag ausbeuten und verletzen, das sagt uns täglich die Wissenschaft. Aber diese Erkenntnis müssen wir fühlbar, sichtbar, hörbar machen, auch mit der Sprache meiner Profession, der Dichtung."

Ulla Hahn schreibt über "Astronomen und Dichter: / zwei Verrückte hinter der Unendlichkeit her / dem Großen Unbekannten auf der Spur / der hinter Milliarden von Sternbildern kauert". Und sie schreibt in "stille trommeln" über die Dinge, die zuletzt schon im Fokus ihres Schaffens standen: über die Flüchtigkeit des Lebens, über die alles rettende Liebe, über das Altwerden. Das tut sie in bester, altbewährter Ulla Hahn-Manier, leicht und oft mit feiner Lakonie. Dazu haben ihre Gedichte eine eigene, spezifische Musikalität. Zum Verständnis hilft auch hier ihr Nachwort weiter: "Gedichte können in Melodien verborgen sein, Gedichte, in denen sinnfreie Klänge ins Wort finden, sich binden in einen Reim aus Klang und Wort."

So gelingt Ulla Hahn etwas Seltenes: Ihre Gedichte sind betörend und dabei angenehm zugänglich. Diese Leichtigkeit und Verständlichkeit wird ihr übrigens nicht selten vorgehalten, verweist aber nur auf den, der dieses Urteil fällt. Was kann daran falsch sein, wenn man als Lyrikerin auch verstanden wird?

Ulla Hahns Gedichte gehören mit zum Besten, was die zeitgenössische Lyrik zu bieten hat, und wer "stille Trommeln" hören kann, wird feststellen, dass dieser Gedichtband ein weiterer Beweis ihres großartigen Könnens ist.

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Ulla Hahn: stille trommeln. Neue Gedichte aus zwanzig Jahren
Penguin Verlag, 208 Seiten, 20 Euro

Stand: 11.07.2021, 12:31