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"Rich Man Blues" von Ludwig Fels

Der aus Franken stammende Schriftsteller Ludwig Fels.

Aktuelle Lyrik

"Rich Man Blues" von Ludwig Fels

Der einzigartige Ludwig Fels ist tot. Deutschlands proletarischster Lyriker ist jetzt mit 74 Jahren in Wien gestorben. Sein Tod ist ein herber Verlust.

Ludwig Fels hat einmal eines seiner Bücher mit Gedichten und Geschichten "Ich bau aus der Schreibmaschine eine Axt" genannt. Und so hat er auch geschrieben: schnörkellos, ohne Umschweife und auf unprätentiöse Art realistisch. Und trotzdem oft mit einer Zartheit, die seinem großen Kollegen Charles Bukowski bisweilen gefehlt hat.

Ludwig Fels war weit davon entfernt, Bukowski zu kopieren, aber der Einfluss und die Inspiration durch den 26 Jahren älteren Bukowski war les- und hörbar. Fels war ein Seelenverwandter von Bukowski, der wie sein Kollege aus Los Angeles mit der Schreibmaschine gegen seine Einsamkeit und seine Bedeutungslosigkeit anschrieb. Das mit der Bedeutungslosigkeit sollte sich bekanntlich für beide ändern, als sie anfingen Lyrik zu produzieren.

Geboren 1946 im fränkischen Treuchtlingen, fing Ludwig Fels nach seiner Zeit als ungelernter Arbeiter an, Gedichte zu schreiben, denen er später Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Hörspiele folgen ließ. Sein Thema war die Wut auf die offensichtlich in Stein gemeißelten Verhältnisse, die ihm aufgrund seiner Bildung und Herkunft den Aufstieg verwehrten und die es zu ändern galt. Depression, Verzweiflung und Ohnmacht setzte Ludwig Fels in authentische Lyrik um. Seine Sprache war glasklar und eisenhart. Wenn Fels Metaphern und Sprachbilder einsetzte, waren die von zielführender Stringenz und transportierten mustergültig das, was der Autor mitteilen wollte.

Insbesondere mit seinen Gedichten hat Ludwig Fels es über die Jahre geschafft, dem Bildungsbürgertum die alleinige Definitionshoheit über Lyrik zu entreißen, wovon etliche Gedichtbände zeugen. Auch wenn es ein abgegriffener Topos ist: Mit Ludwig Fels verliert die deutschsprachige Literatur einen wahrhaft großen Dichter.

Ein Nachruf von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Ludwig Fels: Egal wo das Ende der Welt liegt. Gedichte
Jung und Jung Verlag, 152 Seiten, 20 Euro

Ludwig Fels: Der Anfang der Vergangenheit. Gedichte
Piper Verlag, 122 Seiten, nur noch antiquarisch verfügbar

Stand: 21.01.2021, 19:43