"Poesie und Pandemie" von Safiye Can

Buchcover: "Poesie und Pandemie" von Safiye Can

Aktuelle Lyrik

"Poesie und Pandemie" von Safiye Can

Pandemische Liebeslyrik von Safiye Can. In "Poesie und Pandemie"
hören wir von weiteren weltumspannenden Krankheiten. Alles Pandemie oder was?

Für Safiye Can, 1977 in Offenbach geboren, sind Gewalt gegen Frauen, Rassismus, Sexismus, Unachtsamkeit, Ausbeutung und Nationalismus Seuchen, die auf der ganzen Welt grassieren und ebenso intensiv bekämpft gehören wie das Corona-Virus.

In ihrer Lyrik vermittelt Safiye Can die Notwendigkeit, gegen die herrschenden Seuchen des Unrechts zu kämpfen, und scheut sich auch nicht, bisweilen plakativ zu werden à la "Die Welt. wird. lila. werden!" als Langgedicht oder als Collage zum Zug. Hier sind die ausgewiesenen Liebesgedichte der Offenbacherin zu nennen und zu loben.

Safiye Can pflegt einen authentischen, lakonischen, bisweilen sarkastischen Stil, mit dem sie die pandemische Liebe kommentiert, so wie am Ende von "Liebe zur Qurantäne-Zeit": Da heißt es: "Jedes Umarmen bleibt verboten / und wir dürfen nicht zueinander finden. / Was selbstverständlich sehr schade wäre / wenn wir uns vorher nicht schon / getrennt hätten."

Das ist gut und schön. Bleibt festzuhalten: "Poesie und Pandemie" kommt nicht unbedingt aus der strengen Lyrik-Schule, und wenn man hin und wieder einen sehr einfachen politischen Slogan ignoriert, bleibt immer noch: ein Haufen guter Gedichte.

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Safiye Can. Poesie und Pandemie. Gedichte
Wallstein Verlag, 2021
96 Seiten, 18 Euro

Stand: 08.10.2021, 10:21