"Marxloh" von Thorsten Krämer

Buchcover: "Schwankungen der Füllhöhe. Gedichte 1995 – 2018" von Thorsten Krämer

Aktuelle Lyrik

"Marxloh" von Thorsten Krämer

Klingt wie die Entschuldigung eines Wirtes, ist aber der Titel eines Gedichtbandes von Thorsten Krämer, der frisch eingetrudelt ist: "Schwankungen der Füllhöhe" ist so etwas wie ein Sampler mit Krämer-Lyrik aus mehr als zwei Jahrzehnten.

Thorsten Krämer, 1971 in Wuppertal geboren, schreibt Romane, Erzählungen und Lyrik. 1997 erhielt er das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln, wo er heute lebt und sein Geld als Journalist und Autor verdient. Die Gedichte, die jetzt im Elif Verlag veröffentlicht wurden, umspannen die Zeit zwischen 1995 und 2018.

Los geht’s in räumlicher Nähe mit dem feinen Werk "Marxloh", dem Duisburg-Marxloh, das Endzeit-Apologeten immer wieder gerne als Metapher für den Beginn des abendländischen Untergangs dient. "Wann immer jemand No-Go-Area sagt, stirbt hier ein Kettenraucher" – an dieser Aussage ist kein Gramm Fett, so lakonisch kann man gesellschaftliche Veränderungen beschreiben und damit gleichzeitig ein politisches Statement setzen.

Am Ende des Bandes geht’s in die Ferne – auf eine Reise durch Kanada, die Thorsten Krämer zu einem langen epischen Gedicht in der Tradition des Beat Lyrikers Lawrence Ferlinghetti inspiriert hat. Und ganz am Ende sind wir am Sonnborner Kreuz – in Wuppertal. So schließt sich der Kreis. Marxloh, Halifax, Wuppertal. Dazwischen hören und lesen wir von "Schrödingers Staubsauger", "Ockhams Rasierpinsel", vom "Lyrikkommando" und dem früh verstorbenen deutschen Dichter Nicolas Born.

Thorsten Krämer schreibt feine Gedichte, die bisweilen wie kleine Roadmovies wirken und immer um Verstehbarkeit bemüht sind. So was nannte man mal Pop-Dichtung.

Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Thorsten Krämer: Schwankungen der Füllhöhe. Gedichte 1995 – 2018
Elif Verlag, 108 Seiten, 18 Euro

Stand: 22.05.2020, 14:13