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Ein Nachruf auf Lawrence Ferlinghetti

Lawrence Ferlinghetti

Nachruf

Ein Nachruf auf Lawrence Ferlinghetti

Er war schon zu Lebzeiten eine Legende und bis zum Tod ein Beatnik: Lawrence Ferlinghetti ist jetzt im Alter von 101 Jahren gestorben. Noch ein Dinosaurier weniger.

Lawrence Ferlinghetti gehörte zu den ersten Protagonisten einer literarischen Bewegung, die in den 1950er Jahren in den USA entstand und unter dem Begriff "Beat Generation" in aller Welt berühmt wurde. Der Begriff "Beat" selber bedeutete einerseits "besiegt, müde", aber auch, zu "Upbeat" erweitert, "euphorisch, im Rhythmus".

Jack Kerouac, Allen Ginsberg, William Burroughs und andere standen für diese neue Art von Literatur, die spontan, direkt und öffentlich war und nicht selten mit dem gleichzeitig angesagten Bebop in den Jazz Clubs performt wurde.

Lawrence Ferlinghetti war Dichter und Verleger und stand mit einem Bein im Gefängnis nach der Veröffentlichung von "Howl" in seinem Verlag "City Lights", einem Langgedicht des jüdischen homosexuellen Dichters Allen Ginsberg. Ginsberg wurde bei "Howl" Obszönität unterstellt, ein Vorwurf, der im bigotten Amerika der 1950er Jahre für ein paar Jahre Gefängnis gereicht hätte. Aber Lawrence Ferlinghetti wurde freigesprochen – und "Howl" zu einem Allzeit-Lyrik-Bestseller.

Auch Lawrence Ferlinghettis Gedichtbände erreichten hohe Auflagen, schon von seinem ersten Gedichtband "A Coney Island of the Mind" wurden mehr als hunderttausend Exemplare verkauft. Das sind Auflagen, von denen Dichter heute nur träumen können. Es waren gute Zeiten für Lyrik. Lawrence Ferlinghetti las sich durch Buchhandlungen, Universitäts-Veranstaltungen und Clubs, während sein Verlag, der jetzt in seinem Buchladen in San Francisco untergebracht war, weiter skandalverdächtige Literatur herausgab wie "Naked Lunch" von William Burroughs.

Lawrence Ferlinghetti, der auch als politischer Aktivist gegen jeden Krieg von sich reden machte, war in seiner Dichtung mit feinem Humor unterwegs, wovon auch die Tatsache zeugt, dass er mit knapp 100 Jahren seine Autobiographie herausgab unter dem vielsagenden Titel "Little Boy". Francis Ford Coppola bemerkte einmal: "Lawrence bringt einen erst zum Lachen, dann überwältigt er einen mit der Wahrheit." Dieser Dichter wird der Welt wahrhaftig fehlen.

Ein Nachruf von Matthias Ehlers

Literatur (Auswahl):
Lawrence Ferlinghetti: A Coney Island of the Mind / A Far Rockaway of the Heart. Gedichte
Aus dem amerikanischen Englisch von Klaus Berr
270 Seiten, Sammlung Luchterhand

Lawrence Ferlinghetti. Ausgewählte Gedichte
Aus dem amerikanischen Englisch von Alexander Schmitz
122 Seiten, Diogenes.

Stand: 05.03.2021, 12:38