"Kolumbus" von Hartwig Mauritz

Buchcover: "Versnetze_zehn. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart" von Axel Kutsch

Aktuelle Lyrik - Ein Gedicht

"Kolumbus" von Hartwig Mauritz

Noch ‘ne Gedicht-Anthologie? Gibt es nicht schon so viele? Ja – und trotzdem: "Versnetze" dürfte nicht fehlen in der anthologischen Landschaft. Jetzt ist die zehnte Ausgabe erschienen, herausgegeben von Axel Kutsch.

Die Jubiläumsausgabe "Versnetze_zehn" beeindruckt erstmal durch ihren Umfang: 360 Seiten dick und 219 Dichterinnen und Dichter stark ist das kleine Mammutwerk. Das bedeutet für den Herausgeber viel Arbeit, denn er muss eine Menge von Einsendungen – er fordert selbst dazu auf – bewältigen.

Das heißt, er muss bewerten, was reinkommt, was draußen bleibt. Da solches Handwerk ungefähr so viel Geld bringt wie das Sammeln von Pfandflaschen, ist dem Herausgeber grundsätzlich schon einmal Respekt und Dank geschuldet.

"Versnetze_zehn" vereint Arrivierte und Newcomer, alte Hasen und frische Talente. Dass Axel Kutsch dabei keine besondere poetische Richtung verfolgt, ist mindestens der Empirik dienlich. Hier findet nämlich – bestens sortiert nach der ersten Ziffer der Postleitzahlen – so ziemlich alles statt, was sich Gedicht nennt. Außerdem gibt es noch die Abteilung "Kleiner Grenzverkehr", die deutschschreibende Dichter und Dichterinnen aus diversen Ländern aufbietet.

Verschwurbeltes, Konkretsprachliches, Realistisches, Nebulöses, Surrealistisches und Hermetisches hat in dieser Anthologie Platz. Die Tonalität deckt dann logischerweise die ganze Palette ab, von ironisch und lakonisch bis hin zu empathisch und leidenschaftlich.

Axel Kutsch weist im Vorwort auf die Bedeutung so einer Lyriksammlung hin, als gesellschaftlicher Seismograph. So finden sich u.a. in "Versnetze_zehn" neben persönlichen Befindlichkeitsgedichten von Autoren aus der ehemaligen DDR auch Arbeiten, die die aktuelle Situation um geflüchtete Menschen lyrisch thematisieren.

Wer also wirklich wissen will, was insbesondere in den vergangenen Jahren an deutschsprachiger Lyrik veröffentlich wurde, kommt hier gut auf seine Kosten. Denn diese Gedichtsammlung gibt auch denen Raum, denen man neben den üblichen Verdächtigen sonst nicht in Anthologien begegnet.

Es ist immer interessant, was alles so für dichtenswert gehalten wird. Gutes wie weniger Gutes, aber diese Beurteilung liegt bekanntlich bis zu einem gewissen Grad im lesenden Auge des Betrachters. Fazit: "Versnetze_zehn" ist weiterführend, aufschlussreich und spannend zu lesen.

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
"Kolumbus" von Hartwig Mauritz ist erschienen in:
"Versnetze_zehn. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart"
Herausgegeben von Axel Kutsch
Verlag Ralf Liebe, 340 Seiten, 24 _Euro

Stand: 08.03.2018, 15:16