"In der Brandung des Traums" von Steffen Mensching

Buchcover: "In der Brandung des Traums" von Steffen Mensching

Aktuelle Lyrik

"In der Brandung des Traums" von Steffen Mensching

Steffen Mensching dürfte nur Eingeweihten bekannt sein. Das sollte sich ändern. Denn sein neuer Gedichtband liefert wieder einmal sehr gutes Material.

Der 1958 in Ost-Berlin geborene Steffen Mensching ist Theaterintendant, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. Das alles gleichzeitig zu machen, muss nicht unbedingt gut ausgehen. Abschreckende Beispiele gibt es zur Genüge, wenn man sich all die singenden und schreibenden Schauspielerinnen und Schauspieler ins Gedächtnis ruft.

Steffen Mensching ist dagegen ein sehr guter Schriftsteller, was auch sein 2018 erschienener Roman "Schermanns Augen" bewies, der von vielen Seiten mit Lob überhäuft wurde. Jetzt also wieder ein Band mit Lyrik. Es zeigt sich, dass die Kabarettprogramme, die Steffen Mensching in der DDR auf die Bühne brachte, nicht ohne Einfluss auf seine Lyrik blieben. Und auch das kann entsetzlich sein, wenn jedes Gedicht auf Pointe getrimmt wird.

Steffen Mensching allerdings gelingt es, (der Rezensent hört die Lyrik-Gemeinde beim folgenden Begriff aufheulen) in unterhaltsamer Art alle möglichen Themen bisweilen sehr pointiert zu verhandeln. Auch sind einige seiner Gedichte nichts anderes als aufgezeichnete Gedanken, die ebenso in Prosa hätten erscheinen können. Aber Steffen Mensching möchte etwas mitteilen, er teilt seine Sicht der Welt mit, die für ihn schön und gut, aber auch gleichzeitig ungerecht, grotesk und veränderungswürdig ist.

Die Welt von Steffen Mensching ist alles, was ihm auffällt. Vom "Brief an meinen Ur-Ur-Ur-Enkel“ über "New York Lines" und "Angeln vor Öland" bis zu "Rimbaud in Timbuktu" – all diese Gedichte sind kürzeste Shortstories und bringen die Dinge ohne große Umschweife auf den Punkt. Dass Bertolt Brecht bei dieser Lyrik Pate gestanden hat, dürfte kein Geheimnis sein, während anderes von diversen amerikanischen Dichtern, wie Frank O‘Hara oder Allen Ginsberg inspiriert ist.

Menschings Sprache ist schnörkellos, sein Umgang mit Bildern und Metaphern souverän, er hat ein Gefühl für Rhythmus und beherrscht beide Grundtonarten: Dur und Moll. Es gibt selten Gedichtbände, die man in einem Rutsch lesen kann, "In der Brandung des Traums" ist so einer. Von dieser Art Lyrik sollte es mehr geben.

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Steffen Mensching: In der Brandung des Traums. Gedichte.
Wallstein Verlag, 104 Seiten

Stand: 06.08.2021, 07:33